Ehemalige Kirchenbank will Ferrari unter den Direktbanken starten

31. März 2017, 14:20
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Grawe-Bankengruppe will mit Dadat als Marke von Schelhammer & Schattera ein Angebot für jene kreieren, die gern "dadaten"

Wien – Jeder Zweite kann sich vorstellen, eine Direktbank zu nutzen. "I dadat gern ..." lautet die Übersetzung dafür auf gut Österreichisch. Tatsächlich machen derzeit nur 1,2 Millionen Österreicher davon Gebrauch. Und nur die Hälfte nutzt eine Direktbank als alleinigen Anbieter. Alle anderen haben vielleicht ein Zweitkonto. Noch dürftiger sieht es bei Depotkunden aus. 100.000 gibt es in Österreich, vier Millionen hingegen in Deutschland.

Drei, vier Jahre humpelt Österreich diesbezüglich den Nachbarn hinterher. Diese Zahlen recherchierte zumindest die Grawe-Bankengruppe, ehe sie nun spät, aber doch mit einem neuen Direktbank-Angebot namens Dadat auf den heimischen Markt kommt. Die neue Onlinebank mit Sitz in Salzburg beschäftigt derzeit zwölf Mitarbeiter und ist als Marke der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera Teil der Grawe-Bankengruppe.

Spätstarter mit kleinen Zielen

"Hätten wir nicht den Mister Onlinebanking Österreichs gefunden, hätten wir uns vielleicht gar nicht getraut", sagt Grawe-Bankengruppen-Chef Christian Jauk. Mit Dadat-Chef Ernst Huber, Mitgründer und langjährigem Chef der ehemaligen direktanlage.at (heute Hello Bank), habe man "keine Sorge" um die Zukunft der neuen Bank. In acht Monaten habe dieser mit seinem Team "das innovativste Produkt" auf die Beine gestellt. Ob das Angebot hält, was versprochen wird, können Interessierte ab Freitag, 20 Uhr begutachten, dann geht die Bank online – mehr als 20 Jahre nachdem der heimische Vorreiter in Sachen Bank ohne Filiale, die Bawag, mit der Easybank an den Start gegangen ist.

Messen will man sich mit der Onlinebank der ehemaligen Gewerkschaft allenfalls in Sachen Kundenzufriedenheit. In dieser Kategorie schneidet die Easybank regelmäßig sehr gut ab. Mit mehr als 420.000 Kunden hat die Bank einigen Vorsprung. Auch die Erste Bank macht mittlerweile größere Schritte bei ihrer Digitalisierungsstrategie. Die Onlineplattform George wird sukzessive um Funktionen erweitert, mittlerweile von einer Million Kunden genützt, und das Angebot soll heuer auf die Osttöchter ausgerollt werden. Dadat will es diesbezüglich eher gemächlich angehen und einige tausend Kunden pro Jahr gewinnen.

Alle Finanzen über ein Portal

Abgezielt wird auf jene, die langfristig all ihre Finanzen über Dadat abwickeln wollen und sollen – via Smartphone, Tablet oder Computer. Von der Versicherung über den Kredit oder die Baufinanzierung bis zur provisionsfreien Anmietung von Immobilien. Vor allem aber mögen die "Sparer zum Investor" werden, rät Huber. Abgesehen von den entsprechenden Produkten will man etwa via Webinare und Seminare auch das entsprechende Werkzeug auf der Plattform zur Verfügung stellen. "Extrem einfach" sollen auch die Tools für den Handel mit Wertpapieren sein, wird versprochen.

Vieles davon, was auch die Konkurrenz bietet, steht derzeit schon bereit, etwa der Ratenkredit, der innert kürzester Zeit bearbeitet wird. Ein Gratiskonto für Gehalts- oder Pensionsempfänger inklusive kostenloser Maestro- und Visa-Classic-Karte. Wichtig sei es, standardisierte Produkte zu verwenden, die für 90 Prozent der Menschen passen, sagt Huber. Neukunden will man durch einige Zuckerln locken, darunter keine Depotgebühr 2017, günstiger Handel ohne Auslandsspesen, ein 75-Euro-Startbonus und ein Prozent Zinsen p. a. für die ersten vier Monate ab Kontoeröffnung (bis 75.000 Euro, darüber 0,3 Prozent, die auch nach Ablauf der Viermonatsfrist gelten).

Während die Konkurrenz oft in der Hauptsache mit Gratiskonto und Zinsprodukten um Kunden buhlt – und damit aus der Sicht der Grawe eher den VW Golf bereitstellt –, bastle man quasi am Ferrari, so Huber selbstbewusst. Allzu ambitionierte Ziele steckt man sich zumindest in Sachen wirtschaftliche Erwartungen derzeit aber nicht. "Wir sind da eher konservativ", so Jauk. Ein zweistelliger Millionenbetrag wurde investiert. Den Break-even-Punkt strebt man frühestens in vier bis fünf Jahren an. (rebu, 31.3.2 017)

Ab Freitag, 20 Uhr: dadat.at

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