Was beim Ferienjob zu beachten ist

3. April 2017, 09:00
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Wie viel Urlaubsanspruch hat man als Ferialpraktikant eigentlich? Und was gilt für den Arbeitsvertrag?

Zwei Drittel der Schüler und Schülerinnen ab der zehnten Schulstufe arbeiten neben dem Unterricht oder in den Ferien regelmäßig. Das ergab eine Studie des Instituts für Berufsbildungsforschung (2015). Für sie haben Experten der Arbeiterkammer (AK) eine Liste an Tipps zusammengestellt:

Einen Arbeitsvertrag abschließen

Grundlage für jeden Ferialjob sollte ein Arbeitsvertrag sein: "Er legt die Tätigkeit, Beginn und Ende der Beschäftigung, Arbeitszeit sowie die Bezahlung fest." Der Arbeitsvertrag könne schriftlich oder mündlich abgeschlossen werden – ein schriftlicher Vertrag sei jedoch sicherer, empfiehlt die AK. "Jedenfalls müssen Arbeitgeber den Ferialjobbern sofort nach Aufnahme der Tätigkeit einen Dienstzettel geben". Darauf sei kurz zusammengefasst, was mündlich vereinbart wurde, etwa die Arbeitsstunden pro Woche oder der Verdienst. Dieses Dokument gelte es "unbedingt aufzubewahren".

• Sich Auszeiten nehmen

Für Jugendliche unter 18 gilt: Sie dürfen maximal acht Stunden täglich und 40 Stunden pro Woche arbeiten. "Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Wochenarbeitszeit auch anders verteilt werden – insbesondere im Gastgewerbe", präzisiert die AK. Dennoch: Die tägliche Arbeitszeit darf neun Stunden nicht überschreiten, die wöchentliche nicht 45. "Jugendliche haben Anspruch auf eine Ruhepause von mindestens einer halben Stunde, sofern die Gesamtdauer der täglichen Arbeitszeit mehr als 4,5 Stunden beträgt. Ferialjobber über 18 müssen spätestens nach sechs Stunden eine Pause einlegen."

Die Arbeitszeit aufzeichnen

Darüber hinaus empfehlen die AK-Experten Listen zu führen: Wann man kommt und wann man geht, wann man Pause macht und welche Tätigkeit man verrichtet. Die AK bietet eine Vorlage zur Arbeitszeit-Aufzeichnung zum Download an. Man könne auch das Smartphone für diese Aufzeichnungen nutzen.

• Auf Bezahlung achten

Der Ferienjob muss nach Kollektivvertrag bezahlt werden, schreibt die Arbeiterkammer. Gibt es für eine Branche keinen, bilde das ortsübliche Entgelt die Grundnorm. "700 bis 1000 Euro brutto sollte der Ferialjob also auf jeden Fall bringen." Wie viel Nettolohn nach Abzug aller Steuern übrig bleiben sollte, kann man mit einem Online-Tool – zum Beispiel dem Brutto-Netto-Rechner des STANDARD– feststellen.

• Urlaub nehmen

Auch wenn ein Sommerpraktikum meist nur ein paar Wochen dauert: Ferialjobber haben ebenfalls einen Anspruch auf Urlaub. Er wird anteilig berechnet, nach einem Monat sind es 2,5 Werktage. "Wer die bezahlte Freizeit nicht konsumiert, kriegt am Ende Bares – in Form der Urlaubsersatzleistung", heißt es von der AK. "Ausnahme: Das Dienstverhältnis wurde vorzeitig ohne wichtigem Grund durch die Ferialarbeiterin, den Ferialarbeiter beendet." Ob FerialarbeiterInnen anteilig Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhalten, hänge vom Kollektivvertrag der jeweiligen Branche ab.

• Lohnabrechnung checken

Am Ende des Monats könne ein Blick auf den Lohnzettel nicht schaden. Bei Unklarheiten sei Nachfragen "ein Muss". Wenn zustehendes Entgelt nicht ausbezahlt wurde (zum Beispiel Lohn oder Urlaubsersatzleistung), solle man den Arbeitgeber sofort per Einschreiben auffordern, es zu bezahlen. "Achtung: Wer zu lange wartet, kann aufgrund von Verfallsbestimmungen Geld verlieren."

• Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse

Ein To-Do für den Arbeitgeber: Er muss die Ferialjobber schon im Voraus bei der Gebietskrankenkasse anmelden – dieser oder diese erhält eine Kopie der Anmeldung. "Dies ist sehr wichtig, um bei Arbeitsunfall oder Krankheit abgesichert zu sein", schreibt die AK. "Und, auch wenn junge Leute noch nicht daran denken: Beim Ferialjob werden bereits ersten Ansprüche für die Pension erworben." Nach Ende der Beschäftigung bekommt man noch ein Dokument zugeschickt: die Abmeldebestätigung von der Sozialversicherung.

• Lohnsteuer zurück holen

Wer in einem Jahr weniger als 12.000 Euro verdient, ist nicht lohnsteuerpflichtig. "Wurde dennoch Lohnsteuer abgezogen, können sich FerialarbeiterInnen diese mit der ArbeitnehmerInnen-Veranlagung – genannt 'Lohnsteuerausgleich' – innerhalb der nächsten fünf Jahre vom Finanzamt zurückholen", raten die Experten der Arbeiterkammer. (red., 3.4.2017)

  • Im Sommer sind die typischen Ferialjobs Gastronomie, Büro, Verkauf und einfache Hilfstätigkeiten, aber auch das Babysitten. Während des Schuljahrs kommt noch das Nachhilfegeben hinzu, zeigt eine Umfrage des Instituts für Bildungsforschung.
    foto: apa/herbert neubauer

    Im Sommer sind die typischen Ferialjobs Gastronomie, Büro, Verkauf und einfache Hilfstätigkeiten, aber auch das Babysitten. Während des Schuljahrs kommt noch das Nachhilfegeben hinzu, zeigt eine Umfrage des Instituts für Bildungsforschung.

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