Europa: Täglich sterben 1.000 Menschen an einem Lungenkarzinom

31. März 2017, 10:23
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Das Lungenkarzinom ist die tödlichste Krebserkrankung weltweit. Durch Screenings, Medikamente und chirurgische Eingriffe werden die Überlebenschancen verbessert

Keine Krebserkrankung ist tödlicher als das Lungenkarzinom. Jährlich werden weltweit 1,8 Millionen Neudiagnosen gestellt. 1,6 Millionen Menschen sterben an der Krankheit.

Damit stellen die Lungenkarzinome die häufigste Krebsform weltweit dar. Und die Zahlen steigen weiter an. Die 1,8 Millionen Neuerkrankungen jährlich sind 12,9 Prozent aller Krebsleiden, die 1,6 Millionen Lungenkrebs-Todesfälle machen 19,4 Prozent der Krebs-Todesfälle aus.

Die Relation zwischen Neuerkrankungen und Todesopfern ist beim Lungenkarzinom viel ungünstiger als jene beim zweithäufigsten Krebsleiden, dem Mammakarzinom: Jährlich erkranken daran 1,7 Millionen Menschen. Das macht 11,9 Prozent der Krebsleiden weltweit aus. Doch mit 522.000 Todesfällen pro Jahr sind es "nur" 6,4 Prozent der Krebs-Todesfälle. Die Heilungschancen sind deutlich höher. Das liegt daran, dass nur rund 20 Prozent der Lungenkrebserkrankungen in einem potenziell heilbaren Frühstadium entdeckt werden.

Die Zahlen sind auch in Europa ernüchternd: Täglich wird in der EU bei 1.100 Menschen ein Lungenkarzinom diagnostiziert. Täglich sterben daran rund 1.000 Menschen. Pro Jahr sind das 353.000 Tote. Die Mortalität durch Lungenkrebs steigt international pro Jahr um 4,7 Prozent an. 2013 starben an einem Lungenkarzinom in Österreich 2.537 Männer und 1.357 Frauen, 2014 waren es 2.449 Männer und 1.456 Frauen.

Rettung durch Screening

85 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen betreffen in Zentraleuropa Raucher. In China sind es 60 Prozent. Eine Studie in den USA hat gezeigt, dass mit regelmäßigen Low-Dose-Computertomografien bei schweren Rauchern die Sterblichkeit durch Lungenkrebs um 20 Prozent gesenkt werden kann. Das Problem sind aber die falsch positiven Befunde bei 40 Prozent der Untersuchten, die sich dann zu 96 Prozent nicht als Krebs herausstellen. Das verursacht bei den Betroffenen Angst, es werden im Endeffekt diagnostische Eingriffe (Biopsien) durchgeführt, die zumeist keinen Krebsbefund bringen.

In der Therapie hat sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. In frühen Stadien der Erkrankung reichen oft minimal-invasive Eingriffe aus. Gleichzeitig versuchen die Thoraxchirurgen die Grenze zu den inoperablen Tumoren hinauszuschieben. Chemo- und gezielte onkologische Therapien werden zum Teil auch schon vor dem chirurgischen Eingriff angewendet, um die Behandlungsresultate noch zu verbessern.

Plan B bei Medikamenten

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich auch die zielgerichtete medikamentöse Therapie mit Auswahl der Arzneimittel aufgrund der molekularbiologischen Eigenschaften des Tumors etabliert. So zum Beispiel weisen etwa zwölf Prozent der Lungenkrebspatienten in Österreich eine sogenannte EGFR-Mutation der Tumorzellen auf. Das macht 60 Prozent gut ansprechbar auf bestimmte Tyrosinkinasehemmer. Allerdings kommt es nach einiger Zeit zu Resistenzen. Es gibt aber auch solche Medikamente, die bei Resistenzen gegen das erste Medikament oder zweite Arzneimittel eingesetzt werden können.

Einen zum Teil vergleichbaren, aber länger anhaltenden Effekt erzielen derzeit die neuen Immuntherapeutika. Es handelt sich dabei vor allem um monoklonale Antikörper wie Nivolumab, Ipilimumab etc., welche die Tumor-eigenen Bremsen (PD-L1, CTL-A4) für den Angriff der Immunzellen lösen und das Abwehrsystem der Betroffenen wieder scharf machen. Bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom konnte damit die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem Jahr von 24 auf 42 Prozent und nach zwei Jahren von acht auf 23 Prozent erhöht werden. (APA, 31.3.2017)

  • Durch Computertomografien bei schweren Rauchern kann die Sterblichkeit durch Lungenkrebs gesenkt werden.
    foto: apa/helmut fohringer

    Durch Computertomografien bei schweren Rauchern kann die Sterblichkeit durch Lungenkrebs gesenkt werden.

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