Schnitzeljagd: Journalistin findet geheimes Twitter-Profil von FBI-Chef

31. März 2017, 09:42
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FBI-Chef James Comey gab bekannt, mit einem anonymen Account auf Twitter mitzulesen – eine Reporterin fand diesen binnen vier Stunden

FBI-Chef James Comey ließ auf einer Konferenz nebenbei fallen, dass er mittlerweile selbst auf Twitter vertreten sei. Später berichtete Comey dann von seinem Instagram-Account, der geschützt sei und nur neun Follower habe. Beide Konten seien anonym, so der FBI-Chef weiter. Damit eröffnete Comey eine Schnitzeljagd, die nun mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Gizmodo-Journalistin Ashley Feinberg gewonnen hat. Sie fand ein Twitter-Profil namens "Reinhold Niebuhr" (@projectexile7), das nahezu sicher vom FBI-Chef betrieben wird.

Altes Profil des Sohnes

Doch zurück zum Start: Alles, was Feinberg wusste, war, dass Comey eben einen Twitter-Account und ein Instagram-Konto mit neun Followern besitzt. Eine logische Prämisse war, dass Comey in sozialen Medien mit seinen Familienmitgliedern interagiert. Die größte Online-Präsenz weist sein Sohn Brien auf, der für seine College-Mannschaft Basketball spielt. Über Twitter fand die Reporterin ein Foto von Comey Junior, auf dem ein mittlerweile deaktiviertes Twitter-Profil markiert wurde. Diesem Account gratulierten einige dazu, dass sein Vater FBI-Chef wurde. Es handelte sich also wohl um Brien Comeys Profil.

Wer ist "Reinhold Niebuhr"

Das führte wiederum zu einem Foto auf Instagram, wo ein Nutzer in den Kommentaren Brien Comey selbst markiert hatte. Dessen Instagram-Konto ist natürlich geschützt – allerdings gibt es auf Facebook und Instagram eine Datenschutz-Lücke: Schickt man einem Profil eine Freundschaftsanfrage, tauchen in den "Vorschlägen" für weitere Anfragen dessen Verbindungen auf. Die Gizmodo-Journalistin schickte also eine Anfrage an Brien Comeys Instagram, woraufhin zwei Konten auftauchten: Patrice Comey – die Frau des FBI-Chefs – und "Reinhold Niebuhr".

Zweiteres Profil verfügt über exakt neun Follower – genauso viele wie FBI-Chef Comey. Als Feingold nach Comey und Niebuhr googlete, entdeckte sie, dass der FBI-Chef seine Abschlussarbeit über den Theologen Reinhold Niebuhr geschrieben hatte – das Pseudonym ergibt also Sinn. Nun suchte die Journalistin auf Twitter nach Accounts, die den Namen des Theologen nutzen. Davon gibt es sieben, wobei nur ein Konto kein Profilfoto aufweist: @projectexile7.

foto: screenshot/via gizmodo

Kein Kommentar

Diesem Account folgt ein einziger User: Der Jurist Benjamin Wittes, der den LawfareBlog betreibt. Wittes erzählte wiederum des Öfteren, ein enger Freund von Comey zu sein. "Project Exile" ist hingegen ein Programm zur Verbrechensbekämpfung, das Comey als Staatsanwalt mitentwickelt hat. Der Account hat bislang 39 Tweets favorisiert – acht davon handelten vom FBI oder Comey. Pikant ist, dass sich darunter auch ein Tweet der New York Times über die Russland-Verbindungen von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner befindet. Weder FBI noch Comey oder Wittes wollten gegenüber Gizmodo einen Kommentar abgeben – mittlerweile ist das Profil allerdings gesperrt. (red, 31.3.2017)

  • FBI-Chef Comey dürfte die Schnitzeljagd zu seinem geheimen Account amüsieren
    foto: ap/owen

    FBI-Chef Comey dürfte die Schnitzeljagd zu seinem geheimen Account amüsieren

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