Erwischt! Silberdachs verbuddelte ein komplettes Kalb

Video31. März 2017, 17:00
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Forscher legten in Utah sieben Kadaver von jungen Kühen aus, um zu beobachten, was Geier damit machen. Eine Tierleiche verschwand fast spurlos ...

Salt Lake City – In den Vereinigten Staaten wird er schlicht "badger" genannt, also Dachs. Doch der Silberdachs (Taxidea taxus), der damit gemeint ist, gilt nach neuen Erkenntnissen mit unseren altweltlichen Dachsen (Melinae) nicht allzu nahe verwandt, auch wenn eine gewisse äußere Ähnlichkeit besteht.

Im Jänner 2016 geriet ein solcher Silberdachs, der in Nordamerika weit verbreitet und auch nicht gefährdet ist, durch Zufall in eine Untersuchung eines Teams junger Zoologen der Universität von Utah: Die Forscher um den Dissertanten Evan Buechley wollten eigentlich das Verhalten von Geiern im Winter studieren, indem sie sieben Kadaver von Kälbern in den Bergen westlich von Salt Lake City auslegten. Dazu postierten sie jeweils eine Kamerafalle, um zu sehen, was mit dem Aas geschah.

Wie vom Erdboden verschluckt

Buechley kehrte eine Woche nach dem Deponieren der Tierleichen zu den sieben Kadavern zurück und musste feststellen, dass einer wie vom Erdboden verschluckt war. Er ging davon aus, dass ihn womöglich ein Puma weggeschleppt hatte, und suchte die Umgebung ab – erfolglos. Als er zurückkehrte und sich den Ort genauer anschaute, entdeckte er frische Spuren. Neugierig geworden, lud er sofort die Fotos der Kamerafalle herunter und sah, was man hier am Video im Zeitraffer sehen kann:

university of utah
Zeitraffervideo der fünftägigen "Bestattung" eines Kalbskadavers durch einen Silberdachs in Utah, untermalt vom Benny Hill Theme.

Ein Silberdachs, der kaum ein Drittel des Kadavers misst, hat das Aas in fünf Tagen vollständig vergraben. Die nächsten zwei Wochen verbrachte der "Leichenvergräber" im daneben angelegten Bau. Und bis März kehrte er immer wieder zum längst unterirdischen Aas zurück, um es nach und nach aufzufressen. Das Depot sei für den Silberdachs wie eine Art Kühlschrank, erklärt Buechley.

Ökologische Bedeutung des Vergrabens

Dieses doch recht beeindruckende Verhalten des nachtaktiven und daher immer noch recht rätselhaften Raubtiers war bisher nur im Zusammenhang mit sehr viel kleineren toten Nagern und Hasen bekannt, die als Futterreserve vergraben wurden. Dass Silberdachse auch so große Trümmer verbuddeln, kam für die beteiligten Forscher doch einigermaßen überraschend.

Im Fachblatt "Western North American Naturalist" würdigten die Nachwuchswissenschafter auch die ökologische Bedeutung des Kadaververgrabens: Denn auf diese Weise würden Tierleichen, die oft die Quelle von ansteckenden Krankheiten sind, vollständig aus dem Verkehr gezogen. Andere Fleischfresser der Region wie Truthahngeier, Raben, Kojoten, Steinadler, Rotluchse oder Kitfüchse würden sich miteinander einen Kadaver teilen – und dann blieben immer noch Reste übrig.

Monopolisiertes "Dry Aged Beef"

Der Silberdachs hingegen zog den Kadaver durch die aufwendige Grabungstätigkeit ganz aus dem Verkehr – und monopolisierte das "Dry Aged Beef" ganz für sich alleine, so Buechley, der auch das erste Bild des Silberdachses nach vollbrachter Tat kommentiert: "Ohne das jetzt sehr zu vermenschlichen: Aber genau so sieht ein total glücklicher Silberdachs aus."

foto: evan buechley
Nach vollbrachter Tat wird für die Kamerafalle posiert.

(tasch, 31.3.2017)

  • Eine kleine Stärkung am Beginn der Grabungsarbeiten.
    foto: evan buechley

    Eine kleine Stärkung am Beginn der Grabungsarbeiten.

  • Momentaufnahme ungefähr zur Hälfte der Kuhleichenbestattung.
    foto: evan buechley

    Momentaufnahme ungefähr zur Hälfte der Kuhleichenbestattung.

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