Nissan Navara: Lasterhaftes Vergnügen

6. April 2017, 08:31
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Doppelkabine, eine geräumige Ladefläche, Allradantrieb und 190 Diesel-PS: Der Nissan Navara ist trotz komfortabler Ausstattung ein hemdsärmeliger Pick-up geblieben

Wien – Wenn man selbst in einem Pick-up sitzt, fällt einem erst auf, wie viele andere Leute das auch tun. In der Stadt natürlich. Die Dichte an Pick-ups ist schon erstaunlich: Ford Ranger, VW Amarok, Toyota Hilux, Dodge Ram und natürlich der Nissan Navara, in dem wir jetzt sitzen. Dabei sind diese Pick-ups definitiv keine Fahrzeuge für die Stadt, das ergibt sich alleine aus der Länge, fünf Meter dreißig, und dem daraus resultierenden Problem, einen passenden Parkplatz zu finden.

foto: andreas stockinger

Trotz dieser Widrigkeit sind Pick-ups schick geworden. Sie werden nicht mehr (nur) als Nutzfahrzeuge wahrgenommen, sondern als coole Freizeitgefährte, die sich Platz nehmen und so auch einen Anspruch auf Freiheit manifestieren. Und sie genügen längst allen Ansprüchen, oder fast allen Ansprüchen. Sie sind durch die Reihe gut motorisiert, in der Regel mit einem kräftigen Dieselaggregat, sie sind mittlerweile gut bis luxuriös ausgestattet, und sie sind überdies recht komfortabel, auch im Fahrverhalten.

foto: andreas stockinger

Nach wie vor sind sie kompromisslos geländetauglich – also nicht nur Bordsteinkanten überwinden, sondern richtig schweres Gelände, wenn man dabei in Kauf nimmt, eventuell auch die Lackierung zu zerkratzen. Und sie sind absolut langstreckentauglich.

foto: andreas stockinger

Eine Einschränkung ist allerdings widersprüchlich: Die Pick-ups haben eine ordentliche Ladefläche – aber keinen Kofferraum. Und in der Regel wird man weder die Einkäufe noch das Reisegepäck hinten auf die Ladefläche werfen, sondern es im Innenraum verstauen. Als Sonderausstattung gibt es zwar Planen oder Rollos zur Abdeckung der Ladefläche, einen Koffer wird man hier aber nicht transportieren. Bei den gängigen Doppelkabinen-Pick-ups sollte es aber auf der hinteren Sitzreihe ausreichend Platz für Gepäck geben, wenn es dementsprechend weniger Passagiere gibt.

foto: andreas stockinger

Auch den Nissan Navara gibt es in einer King-Cab- und einer Double-Cab-Ausführung. Als Motorisierung steht ein Vierzylinder-Diesel mit 2,3 Liter Hubraum und 163 oder 190 PS zur Verfügung. Die stärkere Motorisierung gibt es wahlweise mit einem manuellen Schaltgetriebe (sechs Gänge) oder einem Sieben-Gang-Automatikgetriebe.

foto: andreas stockinger

Unsere Variante – Doppelkabine, 190 PS, Automatik – beginnt bei 40.000 Euro, die bessere Ausstattungslinie bei 44.000 Euro. Den günstigsten Navara, Einzelkabine, 163 PS, Schaltgetriebe, gibt es ab 30.000 Euro.

Rundum-Blick

Trotz des hohen Lifestyle-Faktors ist der Navara recht hemdsärmelig geblieben. Es ist ein äußerst lasterhaftes Vergnügen. Beim Einparken in der Stadt sind die Rundum-Kameras hilfreich, sonst wären gröbere Verwüstungen an umstehenden Fahrzeugen nicht auszuschließen. Der robuste Leiterrahmen, der zuschaltbare Allradantrieb inklusive Offroad-Untersetzung, die Differenzialsperre an der Hinterachse und der serienmäßige Bergfahrassistent weisen aber eigentlich ins Gelände.

foto: andreas stockinger
Die Baumstämme sind wohl noch etwas zu groß für den Transport, auf der Ladefläche lässt sich aber einiges Brennholz verstauen. Der Nissan Navara ist ein cooler Kerl und ein kräftiger Arbeiter, aber er hat auch Charme und ist komfortabel. Der Lifestyle-Faktor ist hoch, das zeigt die Verbreitung des Pick-ups.

Dorthin verfügten wir uns auch, nachdem wir der engen Stadt entflohen sind. Und wir fanden keinen Hang, der zur steil gewesen wäre, wir durchstreiften die Wälder – und fanden endlich die passende Verwendung für die Ladefläche. Wir räumten Holz drauf. Ausreichend. Den kleinen Ofen in Wien bespielen wir damit für die nächsten zwei Jahre. (Michael Völker, 6.4.2017)

foto: andreas stockinger

Nachlese:

VW Amarok: Lieber nach Wels als nach Wien

Ford Ranger: Wilder Westen, kulter Ostbahn

Hilux versus Amarok: Pick me up, Scotty

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Nissan

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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