Das Smartphone als Desktop: Samsung schlägt Microsoft

30. März 2017, 17:54
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"Desktop Experience" am Galaxy S8 von Anfang an besser als Continuum bei Windows Mobile

Ein etwas schnellerer Prozessor, eine leicht verbesserte Kamera und ein Akku, der eine längere Lebensdauer verspricht: Jenseits des neuen Designs halten sich die Hardwareänderungen des Galaxy S8 eigentlich in recht überschaubaren Grenzen. Wirklich überraschend ist dies natürlich nicht, die Zeiten der ganz großen Innovationssprünge sind auch bei anderen Herstellern schon länger vorbei. Um so wichtiger wird es, sich über die Software von der Konkurrenz abzusetzen, und hier hat sich Samsung für sein neues Smartphone wieder einiges einfallen lassen.

Vergleiche

Unter dem Namen "Desktop Experience" (DeX) kupfert Samsung kurzerhand den Continuum-Modus von High-End-Smartphones mit Windows 10 ab. Hier wie da wird das Smartphone über ein Dock mit Monitor, Maus und Tastatur verbunden und soll so als Desktop-Ersatz dienen. Das Überraschende dabei: Samsungs DeX ist vom Start weg schon wesentlich besser als das, was Microsoft bietet. So zumindest sieht es Windows-Spezialist Tom Warren bei The Verge.

Kaum Fortschritt

Die Versprechungen Microsofts seien große gewesen, doch in den zwei Jahren seitdem das Feature verfügbar ist, habe Microsoft kaum mehr etwas verbessert. So fehlt bisher jedes klassische Fenstermanagement, auch das Anordnen von App nebeneinander klappe bisher nicht – beides Dinge, die bei Samsungs DeX problemlos funktionieren, wie Warren betont.

Fehlersuche

Eines der zentralen Probleme sieht The Verge dabei, dass Windows-10-Mobile-Entwickler ihre Apps extra für Continuum anpassen müssen. Der Anreiz dafür ist bei der kaum mehr verbreiteten Plattform aber natürlich gering. Bei DeX laufen hingegen alle gewohnten Android-Apps, nur für freies Vergrößern und Verkleinern müssen sie angepasst werden – dabei nutzt man aber offizielle Schnittstellen von Google, wovon also das gesamte Android-Ökosystem profitiert.

Vorgeschichte

Bei all dem gilt es allerdings zwei Dinge festzuhalten. Einerseits war auch Microsoft nicht der Pionier solcher Lösungen. So hat sich Motorola unter dem Namen Webtop bereits im Jahr 2011 an einem ähnlichen Konzept versucht. Und auch Ubuntu wollte einen eigenen Desktop für Android-Geräte anbieten. Beide legten damit allerdings eine veritable Bauchlandung hin. Ob sich mittlerweile das Interesse der User an solchen Konzepten gesteigert hat, muss sich freilich erste zeigen. Bei Samsung ist man jedenfalls davon überzeugt, dass die Zeit nun reif ist. (apo, 30.3.2017)

  • Der Desktop-Modus des Galaxy S8.
    foto: andreas proschofsky / standard

    Der Desktop-Modus des Galaxy S8.

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