Griechenland: Haftstrafe für Statistiker, der Defizitzahlen korrigierte

30. März 2017, 18:21
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Zwölf Monate bedingt – Weitere Urteile drohen

Wien – Andreas Georgiou wird ordentlich zugesetzt. Dem früheren Chef der griechischen Statistikbehörde Elstat wird vorgeworfen, das Defizit des Landes für 2009 zu hoch angegeben und damit die Staatsschuldenkrise weiter angefacht zu haben. Obwohl die EU-Statistikbehörde Eurostat bis heute Georgious Angaben als korrekt erachtet und die ganzen Rettungsprogramme auf dessen Zahlen fußen, wird dem Ökonomen der Prozess gemacht. Verschwörung, arglistige Täuschung und Hochverrat mit einem Schaden von 210 Milliarden Euro, lauten einige der Vorwürfe der griechischen Staatsanwaltschaft.

Dass es die Justiz damit ernst meint, ist jetzt amtlich. Georgiou wurde in einem Seitenstrang der Verfahren schuldig gesprochen – zwölf Monate bedingt, lautet das Urteil eines Berufungsgerichts. Der Grund: Georgiou hatte das vor seinem Amtsantritt erstellte Zahlenwerk zu den Staatsfinanzen als betrügerisch bezeichnet. Immerhin musste er das öffentliche Defizit damals auf 15,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben korrigieren. Weitere Verurteilungen könnten folgen.

Mögliche Einflussnahme

Der Fall schlägt auch international Wellen, weil er den Verdacht der politischen Einflussnahme auf die Justiz nährt. Das konservative Lager von Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos abwärts hat sich auf Georgiou eingeschossen, weil die vom Statistiker errechnete Schuldenexplosion eng mit der Amtszeit der Nea Dimokratia verknüpft wird. Die regierende Syriza wiederum findet, dass die Sparpakete nicht zuletzt wegen überhöhter Defizitstatistiken viel zu umfassend ausgefallen seien, die Georgiou verantwortet. (as, 30.3.2017)

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