Türkei bereit zu weiteren Einsätzen in Syrien

30. März 2017, 17:39
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Operation Euphrat-Schild offiziell zu Ende – Sturm auf IS-Hochburg Raqqa steht an

Ankara/Athen – Sie sind Verbündete in der Nato und unterstützen in Syrien zum Teil gegnerische Rebellen: Die USA mögen sich in diesem Krieg "legitimierter Akteure" bedienen, so drängte der türkische Staatspräsident Tayyip Erdogan am Donnerstag seinen Gast aus Washington, den US-amerikanischen Außenminister Rex Tillerson. Die USA stehen auf dem syrischen Kriegsfeld hinter der kurdischen Miliz YPG und deren Partei PYD. Für die Türkei sind diese bekanntlich Terrororganisationen – nichts mehr als Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), aber auch gegen die syrischen Kurden war die Invasion gerichtet, die Ankara im August vergangenen Jahres offenbar ohne Konsultationen mit den Verbündeten der internationalen Anti-IS-Koalition begonnen hatte. Nach der Sitzung des nationalen Sicherheitsrats am Dienstag verkündete der türkische Regierungschef Binali Yildirim das "erfolgreiche Ende" der Operation. Mehr als 50 türkische Soldaten fielen bei dem Einsatz, der den Namen Euphrat-Schild trug und den die türkische Armee im Verein mit Rebellengruppen der Freien Syrischen Armee vorantrieb. Damit gelang die Befreiung der Grenze vom IS.

Von einem Rückzug der türkischen Soldaten sprach Yildirim gleichwohl nicht. Er ließ auch die Möglichkeit offen, dass die Armee bei weiteren "Bedrohungen unserer Grenze" erneut in Syrien aktiv werde.

USA nicht umgestimmt

Yildirim kaschierte damit gleich mehrere Niederlagen, die Ankara bei seinem Feldzug bisher einstecken musste. So dachte die türkische Führung noch anfangs, sie könnte die Armee weiter bis Raqqa marschieren lassen, der "Hauptstadt" des IS in Syrien und zugleich die letzte größere Stadt, die der Terrormiliz geblieben ist. Doch Ankara ist mit seiner Bedingung gescheitert, die Kurden der YPG nicht an der Befreiung von Raqqa teilnehmen zu lassen. US-Außenminister Tillerson stellte am Donnerstag in Ankara bei einer kurzen Pressekonferenz auch nur fest, dass dies ein wichtiger Punkt in seinen Gesprächen mit der türkischen Seite gewesen sei. Eine offizielle Ein- oder Ausladung der Türken durch die Amerikaner beim anstehenden Sturm auf Raqqa steht immer noch aus.

Ankara scheiterte auch mit dem Vorstoß auf die von den Kurden gehaltene Stadt Manbij. Damit sollte die YPG östlich des Euphrats zurückgeworfen werden – ein Ziel der Operation Euphrat-Schild. Die YPG vereitelte dies, indem sie Dörfer vor Manbij syrischen Regierungstruppen überließ. Russische, aber auch US-amerikanische Einheiten zeigten Flagge und stoppten die türkische Armee. (Markus Bernath, 30.3.2017)

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