New York Philharmonic: Heimkehr der Helden

    30. März 2017, 16:18
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    Das Orchester aus den USA im Wiener Konzerthaus

    Wien – Es hatte etwas von Wiederheimbringung: Das New York Philharmonic gastierte im Konzerthaus mit Werken zweier mitteleuropäischer Komponisten, die in der Stadt am Hudson River zum Ende ihres Lebens wirkten und sich dort eine tödliche Krankheit zuzogen oder starben: Gustav Mahler und Béla Bartók. Mahler leitete den traditionsreichsten Klangkörper der USA – das New York Philharmonic feiert gerade wie die Wiener Philharmoniker das 175-jährige Bestehen – ja noch selbst, und der von der Wiener Giftküche Geschwächte beschrieb Stadt und Leute als "die nobelste Gesellschaft, ohne Intrigue, ohne Beamtenkram ... Die Menschen sind ungeheuer frisch."

    Von seinen eigenen Symphonien führte Mahler nur die erste und die zweite mit dem Orchester auf, unter der Leitung von Alan Gilbert gab das New York Philharmonic Mahlers vierte Symphonie zum Besten. Gilbert gelang es zwar nicht ganz, die heterogenen Teile dieser symphonischen Humoreske zu einer großen Erzählung zu verschmelzen, doch gelangen dem New Yorker und seinem Orchester (toll die starken Blechbläser) eine Vielzahl bewegender Momente. Wundervoll die Gelöstheit, die gute Laune des Kopfsatzes, das "Himmelsblau" (Mahler), das doch auch von spukhaften Schatten getrübt wurde. Dass die New Yorker schwelgen und auch schmiegsam und sinnlich tanzen können wie ihre Wiener Kollegen, bewiesen sie im zweiten Satz. Augenbefeuchtend schön, behutsam und, wie gefordert, "ruhevoll" wurde der dritte Satz eröffnet, tragische Wucht sollte folgen. Dem Sopransolo im Schlusssatz gab Christina Landshamer eine kindliche Prägung.

    Bei Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta musizierten die New Yorker zunächst noch auf eine eher tastende, probende Weise: Weltklasse schien mehr Ziel zu sein als Zustand. Im ersten Satz gerieten die Themeneinsätze der Fuge zu flüsternd, dem Allegro fehlte es an Robustheit und Dringlichkeit. Bezaubernd das experimentierfreudige, zwischen Verknappung und Klangmagie changierende Adagio.

    Das Konzerthauspublikum bedankte sich für die Musik mit einem Applaus, der so entspannend und warm war wie ein sanfter Frühlingsregen. (Stefan Ender, 30.3.2017)

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