Abschiebungen im Tagestakt aus der EU nach Kabul

30. März 2017, 17:49
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Der Abschiebeflieger, der Mittwochnacht in Wien startete, hatte auch Afghanen aus Schweden an Bord. 21 Personen landeten in Kabul – 21 von 80.000 negativ beschiedenen Afghanen in der EU, die zurückgeschickt werden sollen

Kabul/Wien – Im Tagesabstand treffen in diesen Wochen abgeschobene Afghanen aus den verschiedensten EU-Staaten am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ein: aus Norwegen und Schweden, den Niederlanden, Deutschland sowie Österreich, einzeln in Linienflügen ebenso wie gruppenweise in eigens gecharterten Fliegern.

Die zahlreichen Ankünfte sind Folge des Mitte Februar vereinbarten Kooperationsabkommens zwischen Afghanistan und der Europäischen Union. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom vergangenen Februar soll die Regierung in Kabul bis 2020 rund 1,2 Milliarden Euro erhalten. Dafür soll sie die Rücknahme der EU-weit bis zu 80.000 in Asylverfahren negativ beschiedenen und zur Ausreise verpflichteten Afghanen und Afghaninnen garantieren.

Einreiseerlaubnis in Afghanistan

Zurückgenommen worden – sprich: mit Einreiseerlaubnis ausgestattet – waren auch jene 21 Afghanen, die am Mittwoch um elf Uhr Ortszeit in Kabul landeten. Gestartet sei die Gruppenabschiebung im schwedischen Stockholm, um anschließend bei einem Zwischenstopp in der Nacht auf Mittwoch in Wien mindestens sieben weitere Männer an Bord zu nehmen, verlautbarte die Afghanistan Migrants Advice & Support Org (Amaso) auf Facebook.

Amaso ist eine Zwei-Personen-NGO in Kabul, die von einem aus Norwegen abgeschobenen Afghanen gegründet wurde. Sie berät die vielfach desorientierten Zurückgekehrten und versucht, ihnen in Afghanistan in den ersten Tagen zu helfen. So etwa einem am 13. März per Linienflug aus Wien abgeschobenen 19-Jährigen. Anders als die am Mittwoch aus Schweden und Österreich angekommenen 21 Männer, die man für die ersten 14 Tage in ein Camp des afghanischen Militärs gebracht habe, sei der 19-Jährige völlig auf sich allein gestellt gewesen, berichtet eine Unterstützerin.

Alleinstehende junge Männer

Bei den aus Europa abgeschobenen Afghanen handelt es sich laut Amaso überwiegend um alleinstehende junge Männer, die vielfach als unbegleitete Minderjährige geflohen und inzwischen volljährig sind. Sie haben allesamt keinen kriminellen Hintergrund, jedoch in einem oder auch zwei bis drei Asylverfahren eine Ablehnung erhalten.

Seitens des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) in Wien sagte dessen Büroleiter Christoph Pinter dem STANDARD, das UNHCR schließe Abschiebungen nach Afghanistan nicht prinzipiell aus, bestehe aber auf Einzelfallprüfungen. Die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich im vergangenen Jahr "verschlechtert statt verbessert". Für Freitagfrüh nach Kabuler Ortszeit wurde laut Amaso indes die Ankunft einer aus den Niederlanden abgeschobenen alleinstehenden Frau mit drei Kindern erwartet. (Irene Brickner, 30.3.2017)

  • Ankunft abgeschobener Afghanen aus Deutschland am internationalen Flughafen von Kabul.
    foto: afp/kohsar

    Ankunft abgeschobener Afghanen aus Deutschland am internationalen Flughafen von Kabul.

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