"Internet Noise": Website soll Browser-Verlauf wertlos machen

30. März 2017, 12:00
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Reaktion auf gelockerten Datenschutz – soll tatsächliche Nutzerinteressen durch zufällige Aufrufe verschleiern

Auf Initiative der Trump-Regierung hat der US-Kongress kürzlich den Datenschutz für Internetuser gelockert. US-Internetprovider können nun den Surfverlauf ihrer Kunden erfassen und an andere Unternehmen verkaufen. Eine Entscheidung mit potenziell globalen Folgen.

Doch es regt sich Protest. Ein Spieleentwickler erwägt etwa, den Browserverlauf der Kongressabgeordneten zu kaufen und öffentlich zu machen. Während die Realisierbarkeit dieses Projekts noch infrage steht, hat der Entwickler Dan Schultz schon konkrete Maßnahmen gesetzt. Sein Online-Tool "Internet Noise" soll den Browserverlauf entwerten.

Zufällige Seitenaufrufe sollen Surfverhalten verschleiern

Es handelt sich im Kern um ein Skript, das auf Knopfdruck einen oder mehrere neue Tabs öffnet und darin regelmäßig zufällige Seiten aufruft. Darunter befinden sich etwa Youtube-Videos, Wikipedia-Einträge, Onlineshops, Onlinemedien oder Google-Suchen aus zusammengewürfelten Begriffen ("kamikaze wax").

Ziel ist es, dass dank dieser Kaskade an unterschiedlichsten Aufrufen aus der Surfgeschichte des Nutzers seine Vorlieben und Interessen nicht mehr abgeleitet werden können. Werbetreibende und sonstige Firmen, die am Browserverlauf besonderes Interesse haben, können die Daten somit nur noch schwer für ihre Zwecke auswerten.

Digitaler Protest

Hauptsächlich geht es dem Entwickler darum, auf die Wichtigkeit digitaler Privatsphäre hinzuweisen, wie er gegenüber Wired erklärt. "Ich kann 2017 nicht ohne Internet als Mitglied der Zivilgesellschaft funktionieren – und dafür benötige ich einen ISP", erklärt er. Seine Seite sei mehr als Protest, denn als umfassend wirksames Mittel gegen den Datenverkauf gedacht, zumal es mit intelligenten Algorithmen durchaus möglich sein dürfte, das reale Surfverhalten von den Aufrufen durch Internet Noise zu unterscheiden.

Dementsprechend ist auf der Website auch vermerkt, dass es für einen umfassenderen Schutz vor Online-Nachverfolgung mehr benötigt, als dieses Skript. Schultz empfiehlt etwa, die Browsererweiterung HTTPS Everywhere zu installieren, um möglichst oft auf verschlüsseltem Wege auf Seiten zuzugreifen. Ebenso regt er zur Verwendung von Tor und einem VPN an. Nutzer sollten außerdem an die Electronic Frontier Foundation spenden, eine Organisation, die sich dem Erhalt von bürgerlichen Freiheiten im digitalen Raum verschrieben hat. (gpi, 30.03.2017)

  • Der Surfverlauf mit "Internet Noise" nach einigen Minuten.
    foto: screenshot

    Der Surfverlauf mit "Internet Noise" nach einigen Minuten.

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