Grundwasserentnahme bedroht Versorgung mit Lebensmitteln

30. März 2017, 11:43
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Landwirtschaftliche Nutzung von fossilem Grundwasser hat zwischen 2000 und 2010 um 22 Prozent zugenommen, so eine neue Studie

Wien/Laxenburg– In vielen Weltregionen wird in der Landwirtschaft deutlich mehr Grundwasser entnommen als sich auf natürlichem Weg regenerieren kann. Ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung hat Auswirkungen dieser Praxis untersucht, die Ergebnisse erschienen nun im Fachblatt "Nature".

In Gegenden, in denen die Verdunstung zumindest über einen Großteil des Jahres höher ist als der Niederschlag, wird in der Landwirtschaft oft Grundwasser zur Bewässerung von Feldern herangezogen. "Wir haben uns angesehen, wo Grundwasser schneller genutzt wird als es sich sozusagen wieder nachbildet", sagte Thomas Kastner (Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, davor Uni Klagenfurt), der an der Studie beteiligt war. Die Wissenschafter sprechen in dem Zusammenhang von nicht-erneuerbarem oder fossilem Grundwasser.

Hauptfaktor Reisanbau

In der Analyse konnte Kastner mit Kollegen des Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien sowie aus Großbritannien und den USA zeigen, dass die Bewässerung aus solchen Quellen vom Jahr 2000 bis 2010 um geschätzte 22 Prozent zugenommen hat. Die Forscher untersuchten auch, welche landwirtschaftlichen Produkte damit hergestellt werden und in welchem Ausmaß sie international gehandelt werden.

Der größte Teil des nicht-erneuerbaren Grundwassers fließt demnach in die weltweite Reis-Produktion (29 Prozent der Gesamtmenge). Bei Weizen sind es geschätzte zwölf Prozent, bei Baumwolle elf. Mais (vier Prozent) und Sojabohnen (drei Prozent) zählen ebenfalls zu den Top-Fünf.

Insgesamt werden elf Prozent der so produzierten Güter international gehandelt. Hauptexporteur von Produkten, die mit nicht-erneuerbarem Grundwasser angebaut wurden, ist Pakistan. Dort werden gleich 29 Prozent des fossilen Grundwassers, das weltweit zum Anbau solcher Produkte eingesetzt wird, auf den Feldern verteilt. Die USA zeichnen für immerhin 27 Prozent verantwortlich und Indien für zwölf Prozent.

Problematische Verflechtungen

Nach China wird über Feldfrüchte neun Prozent des in der Landwirtschaft eingesetzten nicht-erneuerbaren Grundwassers importiert. Auf Platz zwei und drei unter den Importeuren folgen die USA und der Iran, der beispielsweise große Mengen an Reis aus Pakistan zukauft.

Die Wissenschafter haben in weiterer Folge versucht zu herauszufinden, wie viele Menschen von derartigen Produktionsmethoden abhängig sind. "Da sieht man, dass auch Menschen in Regionen, die eigentlich genug Wasser haben, durch diese Verflechtungen von solchen Grundwasserflüssen abhängig werden", so Kastner. "Da klar ist, dass das nicht unbegrenzt weiter gehen kann, sieht man, dass dann ein großer Teil der Weltbevölkerung mit steigenden Preisen konfrontiert wäre bzw. auf gewisse Produkte verzichten müsste."

Besonders problematisch werde es, wenn trockene Länder, um die eigenen Ressourcen zu schonen, große Mengen aus anderen trockenen Ländern importieren, wie das beim Iran und Pakistan der Fall ist. "Wenn sich Verbraucher und Produzenten nicht auf Strategien einigen, um die Nachhaltigkeit der Grundwassernutzung zu maximieren, stehen für einen großen Teil der Weltbevölkerung die stabile Nahrungsmittelversorgung und -preise auf dem Spiel", sagte Carole Dalin vom University College London, Hauptautorin der Studie. (APA, 30.3.2017)

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