Smart Meter: Tauziehen um die neuen Stromzähler

30. März 2017, 09:38
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Die Netzgesellschaften müssen bis Ende des Jahres 70 Prozent der Haushalte mit intelligenten Stromzählern ausstatten. Das geht sich nicht aus

Wien – Österreich ist jenes Land in der EU, das bei der Einführung intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meter, besonders Druck gemacht und die Anforderungen hochgeschraubt hat. Das scheint nach hinten loszugehen.

Ende 2016 waren erst fünf Prozent der 5,5 Mio. Haushaltszähler getauscht; bis Ende 2017 wird der Anteil installierter Smart Meter gemäß den Roll-out-Plänen der Netzbetreiber in Österreich bei zwölf Prozent liegen. Vorgeschrieben sind deutlich mehr.

Die Intelligente-Messgeräte-Einführungsverordnung (IME-VO) schreibt vor, dass "bis Ende 2017 mindestens 70 Prozent und im Rahmen der technischen Machbarkeit bis Ende 2019 mindestens 95 Prozent" der analogen Zähler durch digitale ersetzt werden müssen. Das aber gehe sich selbst bei größter Anstrengung nicht aus, sagen zumindest die großen Netzgesellschaften. Einige kleinere mit wenigen Hundert Anschlüssen sind mit ihrem Roll-out hingegen schon fertig.

Roll-out kommt in die Gänge

Die Branche hofft jetzt auf ein Einlenken der Regierung und eine inhaltliche Anpassung des Gesetzes an das, was die entsprechende EU-Richtlinie als Mindestanforderung vorschreibt: einen Abdeckungsgrad von zumindest 80 Prozent bis 2020. "Das schaffen wir," sagte Gerald Obernosterer, Vorsitzender des Ausschusses Informations- und Kommunikationstechnik von Österreichs Energie und Geschäftsführer der Kärnten Netz GmbH, in einem Pressegespräch. Gespräche mit dem zuständigen Wirtschaftsministerium seien am Laufen.

"Angesichts der bisherigen Verzögerungen durch einzelne Netzbetreiber ist es positiv, dass die digitalen Messgeräte jetzt von der gesamten E-Wirtschaft zügig installiert werden. Das Ausrollen kommt damit in ganz Österreich in die Gänge. Jetzt gilt es festzustellen, mit welcher Geschwindigkeit die Roll-out-Vorgänge der Unternehmen abgeschlossen werden," heißt es im Büro von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) auf STANDARD-Anfrage. Bis heute, Freitag, waren gemäß IME-Verordnung die aktuellen Roll-out-Pläne zu übermitteln.

Effizienz als Ziel

Diese werden nun von der E-Control evaluiert. Erst nach dieser Prüfung könne beurteilt werden, ob eine Veränderung der rechtlichen Vorgaben als letzter Schritt gerechtfertigt seit. "Damit werden wir uns in Absprache mit der E-Control zeitgerecht befassen", sagte ein Sprecher Mitterlehners.

Für Wien-Energie-Geschäftsführer Michael Strebl, der auch Sprecher für Handel und Vertrieb von Österreichs Energie ist, sind Smart Meter "ein Digitalisierungsturbo für die Branche" und "die Eintrittskarte für viele smarte Anwendungen". Mit den neuen Zählern, die den Stromverbrauch in Echtzeit abbilden und nicht nur aggregiert, verspricht sich die EU-Kommission einen effizienteren Umgang mit Strom. (stro)

  • In den USA sind Smart Meter schon seit langem im Einsatz, in Österreich soll es nach etlichen Verzögerungen nun ernst werden.
    foto: ap photo/pat sullivan

    In den USA sind Smart Meter schon seit langem im Einsatz, in Österreich soll es nach etlichen Verzögerungen nun ernst werden.

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