Feuerbakterium bedroht Europas Olivenbäume

30. März 2017, 11:00
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In Süditalien sind dem Erreger bereits Millionen Bäume zum Opfer gefallen, nun droht er auch Mallorcas Landschaft zu verändern

Zuerst gingen die Kirschbäume und die Oleanderbüsche ein. Ihre Blätter wurden braun. Das war im Dezember. Damals hieß es noch, Mallorcas Oliven- und Mandelbäume seien nicht bedroht von der sonderbaren Krankheit. Doch das ist nun überholt. Nach ersten Stichproben mussten bis März mehr als 140 Bäume auf Mallorca, Menorca und Ibiza gefällt und verbrannt werden.

Auslöser für ihren Tod ist Xylella fastidiosa, ein ursprünglich in den USA verbreitetes Bakterium, das vor allem von Zikaden übertragen wird. Es soll vor ein paar Jahren mit einer infizierten Kaffeepflanze nach Europa gelangt sein. Wird die Epidemie nicht schnell eingedämmt, könnte sie Mallorcas Landschaft grundlegend verändern und dem Tourismus und der Landwirtschaft einen schweren Schlag versetzen.

In Süditalien sind dem Feuerbakterium seit 2013 bereits Millionen Olivenbäume zum Opfer gefallen. Die Krankheit ist dort noch nicht unter Kontrolle und frisst sich jedes Jahr etwa 30 Kilometer weiter in Richtung Norden. Mehr als 500.000 Hektar sind infiziert. Sollte die Epidemie auf den Balearen ähnlich verlaufen, haben nicht nur die Inseln allen Grund zur Panik, sondern ganz Europa.

Da sich die Krankheit erst lange nach der Infektion zeigt, ist sie schwer zu bekämpfen. Sind die Blätter erst einmal braun, ist es zu spät. Pflanzenschutzmittel gibt es derzeit keine: Zikaden, die sich von Baumsaft ernähren, verbreiten den Erreger, wenn sie die Bäume ansaugen. Das Bakterium dringt dann in die Leitgefäße für Wasser ein und lässt diese verstopfen: Die Bäume verdursten.

Kritik an Regierung

Tatsächlich scheint das Bakterium schon seit mehr als zehn Jahren auf Mallorca zu wüten. Das massenhafte Absterben von Mandelbäumen in der Inselmitte soll vom Feuerbakterium ausgelöst worden sein, ohne dass dieses diagnostiziert worden war. Biologen werfen der Regionalregierung vor, nicht gründlich genug nach den Ursachen geforscht zu haben und die Häfen und Flughäfen nicht ausreichend zu kontrollieren.

Die Umweltschutzgruppe Gob fordert schon seit längerem ein Protokoll für Biosicherheit, das die Flora und Fauna besser schützt. Es sei nicht vertretbar, dass sich auf Inseln, wo es vergleichsweise einfach sei, die Einfuhr von exotischen oder kranken Tieren und Pflanzen zu kontrollieren, Epidemien wüten können.

Europa hat das Feuerbakterium mittlerweile als ernsthafte Bedrohung für die Landwirtschaft der Mittelmeerländer eingestuft. Nicht nur in Süditalien und auf den Balearen, auch auf Korsika und in Südfrankreich wurden erste Fälle diagnostiziert. Dort leben ganze Regionen von der Herstellung von Olivenöl. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und die Universität der Balearen bereiten für November in Palma einen ersten internationalen Kongress bezüglich der Krankheit vor.

Auch auf Mallorca boomt die Olivenölproduktion. Das Geschäft mit dem Öl ist einer der wenigen Wirtschaftszweige, die den Erhalt der jahrhundertealten Kulturlandschaft der Insel einigermaßen lukrativ machen.

Weitläufige Plantagen

Die Serra de Tramuntana steht auch wegen ihrer knorrigen, uralten Olivenbäume unter Unesco-Schutz. Sie wachsen auf den von den Arabern angelegten Terrassen, die dem Weltkulturerbe sein typisches Erscheinungsbild geben. Und die weitläufigen Mandelbaumplantagen prägen Mallorcas Landschaft. Sie bedecken mehr als 24.000 Hektar. 6,5 Prozent der Insel sind im Jänner und Februar von den zartrosafarbenen Mandelblüten überzogen. Das zieht viele Besucher an. Die Bäume wurden im 19. Jahrhundert gepflanzt, weil damals eine andere Plage Mallorca heimsuchte: Die Reblaus hatte Mallorcas Weinstöcke befallen und die Weinproduktion zum Erliegen gebracht.

Andere spanische Regionen versuchen sich nun abzuschotten. Noch gibt es auf dem Festland keine diagnostizierten Fälle. Mittlerweile ist die Einfuhr von rund 600 Pflanzenarten von den Balearen verboten. "Wir sind derzeit bei Alarmstufe null", sagt die andalusische Biologin Blanca Landa, die die spanische Regierung beim Kampf gegen den Erreger berät. "Wir wissen nicht, wie das Xylellabakterium Spanien betreffen wird." Das Land ist der größte Produzent von Olivenöl. Allein in der andalusischen Provinz Jaén wird ein Viertel des weltweit verkauften Olivenöls hergestellt. Dort käme die Verbreitung des Bakteriums einer Katastrophe gleich. (Brigitte Kramer aus Palma, 30.3.2017)

  • Spaniens Olivenbaumplantagen sollen vor einem Bakterium geschützt werden, das Bäume verdursten lässt. In Süditalien breitet sich  die Krankheit bereits seit Jahren aus. Im Bild eine ehemalige Olivenbaumplantage in Lecce im italienischen Apulien. Die gefällten Bäume müssen verbrannt werden.
    foto: apa/afp/tiziana fabi

    Spaniens Olivenbaumplantagen sollen vor einem Bakterium geschützt werden, das Bäume verdursten lässt. In Süditalien breitet sich die Krankheit bereits seit Jahren aus. Im Bild eine ehemalige Olivenbaumplantage in Lecce im italienischen Apulien. Die gefällten Bäume müssen verbrannt werden.

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