Facebook erlaubt Werbung von Holocaust-Leugner Honsik

    29. März 2017, 10:24
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    Inhalte des wegen Wiederbetätigung verurteilten Neonazis werden Nutzern in ihre Timeline gespült

    Er betreibt laut dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) seit Jahrzehnten "rassistische und antisemitische Propaganda sowie die Leugnung oder Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen": Der wegen Wiederbetätigung verurteilte Gerd Honsik gilt als Vordenker in "zentralen Gruppierungen der österreichischen Neonaziszene". Jetzt darf er frei auf Facebook Werbung für seine neuen Ergüsse machen. Wie "orf.at" berichtet, werden Facebook-Usern seit einigen Wochen Werbeanzeigen für das "Radio Honsik" in die Timeline gespült.

    "Mauthausen-Lüge"

    Dort sind etwa Inhalte von Honsiks Zeitschrift "Halt" abrufbar, wo in einer neuen Ausgabe etwa von der "Mauthausenlüge" schwadroniert wird, laut der es nie eine Gaskammer in dem Konzentrationslager gegeben hätte. Ein wichtiges Thema für Honsik, der etwa schon Bücher wie "Freispruch für Hitler? 37 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer" publiziert hat. Als Impressum für "Radio Honsik" wird eine Adresse im schwedischen Skanör angegeben. Schweden ist bei Rechtsextremen als Standort für ihre Server beliebt, da ihnen kaum Strafverfolgung droht. So ist beispielsweise die rechtsextreme Enzyklopädie Metapedia in Schweden angesiedelt.

    Facebook: "Im Einklang mit Richtlinien"

    Die Werbung für den verurteilten Neonazi Honsik stört Facebook nicht. Gegenüber "orf.at" gibt der Konzern, der sich dem Kampf gegen "Hass im Netz" verschrieben haben will, an, dass "jeder Seitenbetreiber auf Facebook werben kann, solange die Inhalte im Einklang mit den Facebook-Gemeinschaftsstandards und Werberichtlinien sind". Honsik verstößt allerdings in seinen Beiträgen auf Facebook nicht gegen diese, ein Klick auf den Link führt Nutzer jedoch zu seiner Webseite, die vor Antisemitismus und Holocaust-Leugnung strotzt.

    Facebook hatte schon 2012 angekündigt, stärker gegen "Nazi-Profile" vorgehen zu wollen. Nach der intensiveren Debatte über Hasspostings in den vergangenen Monaten kündigte Facebook zahlreiche weitere Initiativen an. Kritiker sehen jedoch weiterhin eine Nachlässigkeit gegenüber Rechtsextremen. Ein Facebook-Profil, das als Beruf "Vergaser" angab, blieb erst vor wenigen Wochen trotz zahlreicher Nutzer-Meldungen online. (fsc, 29.3.2017)

    • Gerd Honsik 2010 bei seinem Prozess wegen Wiederbetätigung.
      foto: apa/hochmuth

      Gerd Honsik 2010 bei seinem Prozess wegen Wiederbetätigung.

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