Magenbitter: Medizin oder Gift mit Zucker?

Kolumne30. März 2017, 17:03
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Manchmal ist Alkohol keine gute Idee, selten eine Lösung, aber eines ist er nie: gut für den Magen

foto: getty images/istockphoto/kvkirillov

Pro
von David Krutzler

War dem jungen Buben zum Speiben zumute, also nicht im übertragenen Sinn, sondern tatsächlich, setzte das eine Kette wohlgemeinter Aktivitäten in Gang. Die Mama brachte Traubenzucker und scheußlich schmeckende Magenberuhigungstropfen.

Die Oma setzte Kamillentee auf. Präventiv wurden schon einmal die berüchtigten Zäpfchen hergerichtet, die das Problem quasi von hinten aufrollen sollten. Dazu gab es eine Wärmeflasche auf den Bauch und wunderbares Mitleid und Mitgefühl.

Und Opa? Dem waren korrekte Handlungsanleitungen aus Erziehungsratgebern fremd. Routiniert stellte er wahlweise ein klitzekleines Stamperl Jägermeister oder Schnaps auf den Tisch und servierte dazu die Weisheit: "Entweder geht's dir danach besser. Oder du speibst – und dann geht's dir besser." So war es auch. Der Kleine jammerte danach öfter und gern über Übelkeit – und ließ sich am liebsten von Opa behandeln. Danach wurde am Küchentisch geschnapst oder DKT gespielt, stundenlang. Opa, schau oba! Ich vermisse dich.

Kontra
von Katharina Mittelstaedt

Alkohol kann so vieles. Menschen zusammenführen, und sei es nur für einen Abend. Er kann ein Gericht zu einem Festmahl machen und Feste rauschen lassen. Ein, zwei Gläser beleben Gaumen und Geist, das dritte die Abenteuerlust. Manchmal ist Alkohol keine gute Idee, selten eine Lösung, aber eines ist er nie: gut für den Magen.

Es gibt keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, dass sich ein Schnaps nach dem Essen positiv auf die Verdauung auswirkt. Der Magen wird leicht betäubt, die Schleimhäute gereizt. Ein Bitter verbrennt auch kein Fett. Mit Zitrone und über Eis mag der eine oder andere Kräuterbrand ja ganz vorzüglich schmecken, aber wir müssen uns da nichts vormachen: Man kippt ein Stamperl Gift mit Zucker, das seine Wirkung vor allem im Hirn entfaltet.

Die Rechnung geht übrigens auch umgekehrt nicht auf: Üppig speisen, um dann mehr trinken zu können. Alkohol gelangt ins Blut, egal wie voll der Wanst ist. Und, Achtung, jetzt wird es richtig bitter. Selbst Käse schließt den Magen nicht. Vielleicht ein Espresso? (RONDO, 31.3.2017)

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