Kunststoffschuh mit Halteriemen: Die Crocs sind zurück

Kolumne30. März 2017, 07:00
235 Postings

Crocs haben jede Menge Dreck am Stecken. Trotz ihres unterirdischen Images erfahren sie jetzt eine Neuauflage

Für diese Schuhe braucht Frau starke Nerven. Denn dieser Kunststoffschlapfen hat jede Menge Dreck am Stecken. Das Image des Crocs, Modell Beach? Unterirdisch. Niemand möchte in ihm ertappt werden – obwohl er doch so praktisch ist. Erstens: Dieser Schuh wiegt kaum 200 Gramm. Zweitens: Er ist wasserfest. Und drittens: Die Ferse wird von einem Halteriemen fixiert. Mit diesem Schuh können also alle anstehenden Gartenabenteuer (Hochbeete anlegen, Insektenhotels bauen und Salatpflänzchen ziehen) bewältigt werden.

Gute Laune müssten die Teile eigentlich auch machen. Sie sind in allen Farben des Regenbogens erhältlich. Es ist also nicht verwunderlich, dass jetzt ein Modedesigner auf die Idee kam, sich ihrer anzunehmen.

foto: humanic
Das Original: kostet wesentlich weniger als ...

Wer sich nun schlagartig an das Schicksal der Birkenstock-Schlapfe erinnert fühlt, sei beruhigt. Der Bling-Bling-Interpretation des Korkfußbetts durch Heidi Klum können die neuen Crocs das Wasser nicht reichen – im besten Sinne. Der britische Designer Christopher Kane beweist im Gegensatz zu dem Multitalent aus Bergisch-Gladbach nämlich Humor. Er hat ein Marmormuster über die Kunststoffschuhe gezogen und die Luftlöcher mit Steinen verziert.

... der Designschuh von Christopher Kane, entstanden mit dem Schuhhersteller Crocs. Er kostet rund 325 Euro.

Dieser Ideenreichtum kostet. Und zwar 325 Euro. Was der Brite vorschlägt, zu den Crocs zu tragen? Mäntel und Kleider mit applizierten Blüten zum Beispiel. Das ist keine so schlechte Idee. Damit lehnt er sich zwar ans Thema Garten an. Die Schuhe eignen sich allerdings nicht unbedingt dazu, Hochbeete anzulegen. Oder Insektenhotels zu bauen.

foto: apa/ afp/ justin tallis
Die Gummiteile wurden erstmals im September gezeigt: während der Show von Christopher Kane in London.

Kane liegt mit seinem Kunstgriff ganz im Trend. Reihenweise flirten die Designer mit Geschmacklosigkeiten. Gosha Rubchinsky ist Vorreiter dieses neuen Muts zur Hässlichkeit, er kooperiert vorzugsweise mit Firmen, an die sich lange niemand rangetraut hat.

Das ist völlig verständlich. In einer Zeit, in der ausschließlich das Schöne hochgehalten wird, beweist das Hässliche, über welche Macht es verfügt. Es ist hoch an der Zeit, das einmal auszutesten – und sich die Crocs nicht mehr nur heimlich im Garten anzuziehen. (Anne Feldkamp, 30.3.2017)

    Share if you care.