Orthodoxes Kloster: Ein aufziehender Abzug aus dem Seewinkel

29. März 2017, 07:00
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Das in St. Andrä geplante orthodoxe Kloster könnte noch vor der durch eine Unterschriftensammlung erzwungenen Volksabstimmung übersiedeln. Alternative Standorte bieten sich jedenfalls schon an

Eisenstadt – Das geplante griechisch-orthodoxe Kloster in St. Andrä am Zicksee scheint eine ähnliche Entwicklung zu nehmen wie das geplante Paradeiser-Glashaus im benachbarten Frauenkirchen: den entnervten Abzug des Projektwerbers noch vor einer kommunalen Volksabstimmung.

Die Initiative gegen den Klosterbau auf Pfarrgrund hat die notwendigen Unterschriften – mehr als 25 Prozent der Wahlberechtigten – gesammelt, Bürgermeister Erich Goldenitsch (SPÖ) den Termin der Abstimmung mit "Ende Mai, Anfang Juni" konkretisiert.

Zeichen stehen auf "Nein"

Ob es dazu aber überhaupt kommt, wird demnächst bei einem Gespräch zwischen dem Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics und Arsenios Kardamakis, dem Wiener Metropoliten entschieden. Die Zeichen stehen dabei eher auf nein.

Dominik Orieschnig, der Sprecher des Eisenstädter Bischofs, glaubt mittlerweile an einen Rückzug aus dem Seewinkel. "Selbst bei einem für uns positiven Ausgang der Volksabstimmung würden wir dann in ein bereits vergiftetes Klima kommen." Zwar hält er für wahrscheinlich, dass St. Andrä sich in einer Volksabstimmung für das Kloster entscheiden würde. Woran er nicht glaube, sei, dass die Gegner dann ihre Gegnerschaft etwa bei der Bauverhandlung beenden würden. Der Zweck des Klosters – "ein Ort des Friedens" zu sein – könne so jedenfalls nicht erreicht werden.

Werbende Standorte

Dazu komme, dass sich zuletzt eh einige Bürgermeister gemeldet haben, die solch ein Kloster sehr gerne in ihrer Gemeinde hätten. "Auch aus Niederösterreich", sagt Orieschnig, "aber ich halte den Standort Burgenland für ideal." Vor allem die Grenznähe sei ausschlaggebend. Immerhin ist der Wiener Metropolit ja auch zuständig für Ungarn.

Das könnte zum Beispiel für Deutschkreutz sprechen. Listenbürgermeister Manfred Kölly hat via STANDARD unlängst sein Interesse kundgetan. Jetzt sagt er: "Die Brüder waren schon da. Gemeinsam mit dem Pfarrer haben wir uns auch schon Grundstücke angeschaut."

Ob er und der Pfarrer – es ist der als "singender Pfarrer" bekanntgewordene Franz Brei – nicht auch hier eine Bürgerinitiative dagegen fürchten? "Nein, ich schau da schon drauf, häng mich sicher rein. Und ich glaub, als Bürgermeister kann ich da schon was bewegen." Das hätte Orieschnig sich auch vom St. Andräer Bürgermeister gewünscht.

Frauenkirchen: Amtliches Karniefeln

Der Landeshauptmann hat diesbezüglich auch keine Kapazitäten. Er ist weiterhin in Frauenkirchen – wo Hans Niessl ja einst Bürgermeister war – engagiert. Die gegen das Glashaus unterschriftensammelnden Gegner werden nun amtlich ganz schön karniefelt, wie der Winzer Josef Umathum. Oder richtiggehend vernadert bei der jeweiligen Standesvertretung, wie der Zahnarzt oder die Apothekerin, die auch Gemeinderätin ist für die Liste des Paradeiserkaisers Erich Stekovics. (Wolfgang Weisgram, 29.3.2017)

  • Der Deutschkreutzer Pfarrer, Franz Brei, könnte bald eine geistliche Nachbarschaft bekommen, von welcher der Pastoraltheologe Paul Zulehner sagt, sie sänge "den Himmel auf die Erde herunter".
    foto: der plankenauer

    Der Deutschkreutzer Pfarrer, Franz Brei, könnte bald eine geistliche Nachbarschaft bekommen, von welcher der Pastoraltheologe Paul Zulehner sagt, sie sänge "den Himmel auf die Erde herunter".

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