Archäologie: Bakterielle Behandlung schützt Artefakte vor Rost

1. April 2017, 16:00
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Schweizer Forscher entwickelten eine schnellere und verträglichere Alternative zu Natronbädern

Neuenburg – Forscherinnen der Schweizer Universität Neuenburg haben eine Methode entwickelt, um archäologische Fundstücke aus Eisen vor Rost zu schützen. Das Team um Edith Joseph und Pilar Junier setzt dafür die Bakterienart Desulfitobacterium hafniense ein, die eine Schutzschicht um die Objekte bildet.

Bei Ausgrabungen gefundene Objekte aus Eisen sind in der Regel von einer dicken Schicht aus Rost umgeben und oft fast unkenntlich. Damit die veränderten Umweltbedingungen an der Luft sie nicht nach und nach vollständig zerstören, müssen sie aufwendig behandelt und vor weiterer Korrosion geschützt werden.

Mineralschicht

Mit der nun entwickelten Methode verwandeln die Bakterien die rostende Oberfläche von Eisenobjekten in eine stabile Schicht aus Mineralien, genauer gesagt aus Vivianit (auch Eisenblau genannt) und Magnetit. Diese Schicht schützt die Oberfläche davor, weiter zu oxidieren. Die Nebenprodukte der Reaktion dienen dabei den Bakterien als Nahrung. Die Mikrobiologin Junier vergleicht das Verfahren in einer Aussendung der Uni mit dem Karamellisieren von Desserts.

Den Forscherinnen gelang es, mithilfe der Bakterien Eisennägel aus dem 3. Jahrhundert mit einer Schutzschicht zu versehen. Die Methode stellte sich dabei als schneller und umweltschonender heraus als übliche Verfahren, wie sie im Fachblatt "Applied and Environmental Microbiology" berichten.

Wiederverwertbar

Üblicherweise werden für solche Zwecke Natronbäder eingesetzt. Allerdings braucht die Behandlung je nach Größe des Objekts unterschiedlich lang. Bei alten Kanonen beispielsweise, die verrostet aus dem Meer geborgen werden, könne die Behandlung Jahre dauern, so Joseph. Mit den Bakterien hingegen dauere es immer gleich lang, egal wie groß das Objekt sei.

Zudem seien diese Bakterien für den Menschen ungefährlich und damit weniger gesundheitsschädlich als bisherige Methoden. Und da sie sich wiederverwerten ließen, entstehe kein giftiger Abfall entstehe. (APA, 1.4.2017)

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