Museum der Moderne: Verlängerung von Direktorin fraglich

28. März 2017, 14:44
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Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) deuten Ablöse von Sabine Breitwieser an. Die Direktorin wehrt sich gegen Vorwürfe

Salzburg – In Salzburg dürfte der Vertrag der Direktorin des Museums der Moderne (MdM) Sabine Breitwieser nicht verlängert werden. Wie vom "Standard" berichtet, bemängelt Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) ihre Mitarbeiterführung und kritisiert fehlende soziale Kompetenz. Die erste Amtsperiode Breitwiesers läuft nach fünf Jahren Ende 2018 aus.

Wie Schellhorn der APA bestätigte, halte er Breitwieser als Kuratorin für unbestritten und erfolgreich. Sie sei fachlich kompetent, verfüge über ein internationales Netzwerk und habe internationales Renommee. Zwar seien die Besucherzahlen für die beiden Standorte – das Rupertinum in der Altstadt und das Museum auf dem Mönchsberg – unter ihrer Amtszeit von rund 130.000 im Jahr 2013 auf 104.000 im Jahr 2016 zurückgegangen, was aber nicht sein Kritikpunkt sei. "Ihre Personalführungskompetenz ist zu schwach. Ich war vom Start weg mit Beschwerden konfrontiert, was ihren Führungsstil anbelangt."

Hohe Fluktuation der Mitarbeiter

Dass binnen drei Jahren von rund fünfzig Mitarbeitern fast zwanzig das Unternehmen verlassen haben, sei schon ein Signal, dass hier etwas nicht stimme. "Der Betriebsrat war heute bei mir, und er unterstützt meine Vorgangsweise", betonte Schellhorn.

In den "Salzburger Nachrichten" zeigte sich Breitwieser – sie befindet sich momentan im Ausland – darüber "erbost, enttäuscht und entsetzt", dass ihr der Landesrat die soziale Kompetenz abspreche und diese Behauptung auch in einer Zeitung erscheine. Damit werde versucht, ihre Autorität zu untergraben. Dies erleichtere weder aktuelle Verhandlungen mit Museen in Frankfurt oder New York, noch ein bevorstehendes Fundraising für eine Ausstellung. "Das schädigt das Museum und das Team."

"Teamumbildungsprozess normal"

Zugleich wies sie im Zeitungsgespräch den Vorwurf der hohen Mitarbeiterfluktuation zurück. Die vom Landesrat genannte Zahl sei zu hoch, für jeden neuen Direktor sei auch ein "Teamumbildungsprozess" normal. Die Stimmung sei eine gute und produktive, so Breitwieser. "Ich habe hohe Ziele, ich bin eine herausfordernde Chefin." Und sie stieß sich am Stils Schellhorns, sich zwar Beschwerden von Mitarbeitern anzuhören, ihr die Probleme aber nicht entsprechend zu kommunizieren.

"Das stimmt nicht", konterte Schellhorn im APA-Gespräch. "Das wurde immer wieder kommuniziert. Die Probleme waren auch Thema in den Aufsichtsratssitzungen. Aber ich werde ihr natürlich nicht verraten, wer bei mir war und über das Arbeitsklima klagte." Die Position werde vor dem Ablauf von Breitwiesers erster Amtsperiode nun wie vorgeschrieben noch heuer ausgeschrieben.

Haslauer stellt sich hinter Schellhorn

Für den 4. April ist zwar noch ein Treffen von Schellhorn, Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) und Landtagspräsidentin und Aufsichtsratsmitglied Brigitta Pallauf (ÖVP) mit Breitwieser vorgesehen. "Für mich ist die Sache aber klar", so der Landesrat. Haslauer, der die Direktorin als damaliger Museumsreferent nach Salzburg geholt hatte, decke übrigens seine Einschätzung, sagte Schellhorn. "Ich habe das mit ihm besprochen, auch wenn formal ich zuständig bin."

Breitwieser hatte 2014 als MdM-Direktorin die rund 2.500 Werke umfassende und von ihr maßgeblich aufgebaute Sammlung der Generali Foundation als Dauerleihgabe nach Salzburg geholt. Ob sie sich neuerlich bewerben will, habe sie noch nicht entschieden, sagte Breitwieser in den Zeitungsgesprächen. Aber sie machte klar, dass sie nun gezielt überlege, wo sie unter welchen Bedingungen ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihr Netzwerk einsetzen werde. (APA, 28.3.2017)

  • Sabine Breitwiesers Vertragsverlängerung dürfte vom Tisch sein. Die Direktorin wehrt sich gegen die geäußerten Vorwürfe der Salzburger Kulturpolitik.
    foto: apa

    Sabine Breitwiesers Vertragsverlängerung dürfte vom Tisch sein. Die Direktorin wehrt sich gegen die geäußerten Vorwürfe der Salzburger Kulturpolitik.

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