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EU Bio-Verordnung: Aus für Bioprodukte?

29. März 2017, 09:47

Österreich ist Europameister in Sachen Bio. Eine Erfolgsstory, die durch die neue Bio-Verordnung gefährdet wird. Denn das Ende des Verursacherprinzips könnte vielen Bio-Betrieben die Existenz kosten.

Bio ist in Österreich längst keine Nische mehr. Besonders in den letzten zwei Jahren verzeichnete die biologische Landwirtschaft deutliche Zuwächse. 2016 produzierten mehr als 21.800 Betriebe auf rund 572.000 Hektar Anbaufläche, das entspricht 22 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtfläche. Ein Wert, der europaweit seinesgleichen sucht – im Durchschnitt sind es nur 6,2 Prozent – und eine Entwicklung, deren Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. In Österreich steigen täglich fünf Betriebe neu in die Bio-Landwirtschaft ein. Trotzdem ist die Zukunft ungewiss, denn die Revision der EU Bio-Verordnung sorgt für Verunsicherung in der Branche.

Zähe Verhandlungen in Brüssel

Die Bio-Verordnung regelt den biologischen Landbau in der Europäischen Union – von der Produktion, über die Verarbeitung und Kontrolle bis zum Handel mit Bioprodukten. Diese Verordnung soll einer Reform unterzogen werden – die Verhandlungen gestalten sich allerdings zäh. Agrarkommissar Phil Hogan, der mit populistischen Äußerungen immer wieder für Aufsehen sorgt, spielt eine entscheidende Rolle darin. So sprach er von Pestizidcocktails in Bioprodukten und witterte einen Zusammenhang zwischen ökologischer Landwirtschaft und dem tödlichen EHEC-Keim. Zwar gelangte dieser damals durch Bio-Bockshornklee-Sprossen aus Ägypten in den Handel, schuld waren jedoch Hygienemängel und nicht die Art der Bewirtschaftung. Es sind Aussagen wie diese, die in der Causa der neuen Bio-Verordnung zu verhärteten Verhandlungs-Fronten führten. Und während sich Kommission, Rat und Parlament bereits in vielen Punkten geeinigt haben, bleibt ein Streitpunkt offen: Das Verursacherprinzip, welches Hogan gerne abschaffen möchte.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung

Das Verursacherprinzip besagt, dass Bio-Produzenten nicht für Spuren künstlicher Pflanzenschutzmittel verantwortlich gemacht werden, wenn sie diese nachweislich nicht eingesetzt haben. Der Grund dafür ist, dass Kontaminationen, trotz aller Sorgfalt, nicht immer vermieden werden können. So gelangen Spuren von Pestiziden durch Abdrift von konventionellen Nachbarfeldern auf Bio-Ware, aber auch durch den Transport in Containern und Paletten, die gegen Pilzbefall und Schädlinge behandelt wurden. Die Werte sind aber meistens so niedrig, dass der aktive Einsatz von Pestiziden ausgeschlossen werden kann. Somit kann der Bauer seine Produkte weiterhin als Bio-Ware verkaufen. Fällt jedoch das Verursacherprinzip, stehen Bio-Landwirte vor einem Dilemma: Neben mehr Produktionsaufwand und höheren Kosten würden sie auch das Risiko für Fremd-Kontaminationen tragen. Ein Umstand, der für viele Bauern das Ende der ökologischen Landwirtschaft bedeuten könnte.

Ein Gesetz, keine Lösung

Noch hat die EU keine Handhabe gegen Bio-Bauern, da das Verursacherprinzip gilt und keine gesetzlichen Grenzwerte definiert sind. Kontrollen stützen sich bisher auf die Richtlinien des Bundesverbandes Naturkost und Naturwaren (BNN). In der neuen Bio-Verordnung sollen diese jedoch gesetzlich festgehalten werden. Eine Überschreitung von 0.01 mg/kg – ein Wert, weit entfernt von den sogenannten Pestizidcocktails – würde bereits zur Aberkennung der Bio-Kennzeichnung führen. Eine ernsthafte existentielle Bedrohung für Bio-Landwirte, die jeglicher Fremdkontamination ausgeliefert wären. Hinzu kommt, dass die Methoden zur Messung immer genauer werden. Aktuell werden Bioprodukte auf über 600 Substanzen und Umwelteinflüsse getestet. Dementsprechend gering ist die Chance auf absolute Null-Werte. Die neue Verordnung würde zu einem Kahlschlag in der Bio-Branche führen.

Auch österreichische Bauern wären betroffen

Beim österreichischen Bio-Pionier SONNENTOR beobachtet man die Verhandlungen um die neue Bio-Verordnung deshalb kritisch. Sie waren auch Thema bei der jährlichen Anbaubesprechung in der Firmenzentrale in Sprögnitz. "Viele unserer Bauern fürchten um Strafen, Umsatzeinbußen und ihre Existenz", so SONNENTOR Gründer Johannes Gutmann am Rande der Anbauversammlung. Was auf den ersten Blick wie eine Maßnahme zum Verbraucherschutz wirkt, führt im Endeffekt zum Gegenteil. "Immer mehr Bio-Landwirte werden aufgeben, stattdessen landen vermehrt chemisch behandelte Waren im Handel. Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz", ärgert sich Gutmann. "Wir sind nicht aus Prinzip gegen die Reform der Bio-Verordnung, aber sie soll keine neuen Probleme schaffen." Anstatt die Bio-Landwirtschaft in ihrer Entwicklung zu hemmen, solle über die Eindämmung chemisch-synthetischer Pestizide debattiert werden. Denn das würde letztendlich der Umwelt und den Konsumenten zugutekommen.

Vorerst auf Eis gelegt

Wie die Verhandlungen rund um die Bio-Verordnung weitergehen, bleibt vorerst offen. Bio-Verbände hoffen jedoch auf ein baldiges Ende, denn die Situation verunsichert nicht nur bestehende Betriebe, sondern schreckt auch potentielle Bio-Landwirte und Investoren ab. Inzwischen scheint sogar ein Abbruch der Verhandlungen möglich. Es wäre zumindest ein Teilsieg für die Bio-Branche.

  • Trotz steigendem Absatz ist die Zukunft der Bio-Branche ungewiss. Die neue EU Bio-Verordnung könnte vielen Betrieben die Existenz kosten.
    foto: sonnentor

    Trotz steigendem Absatz ist die Zukunft der Bio-Branche ungewiss. Die neue EU Bio-Verordnung könnte vielen Betrieben die Existenz kosten.

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