Schauspielerin Christine Kaufmann gestorben

28. März 2017, 16:02
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Wer eine Kindheit im Showgeschäft überleben will, muss stark sein. Die Schauspielerin und Autorin schaffte es – und nicht nur das, obwohl sie das "Rosen-Resli" lange mit sich trug

München/Wien – Was es für ein Kind bedeutet, plötzlich berühmt zu sein, fasste Christine Kaufmann einmal so zusammen: Der Umstand sei "ein so unglaublicher Zufall, eine so merkwürdige Anforderung" mit durchaus fatalen Folgen: 80 Prozent der Kinderstars würden "nicht überleben".

Mit dieser Zahl – nur jeder Fünfte bleibt übrig – lässt sich erahnen, welche Stärke es braucht, um die Bürde des Kinderstarseins zu überwinden, nicht in den Schlund des mit den Jahren ausdauernd gefräßiger gewordenen Showgeschäfts gerissen zu werden, sondern sich, wie Christine Kaufmann, zu behaupten und seinen Weg zu gehen.

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Christine Maria Kaufmann wird am 11. Jänner 1945 in der Steiermark geboren. Als Tochter eines ehemaligen deutschen Offiziers und einer Maskenbildnerin wächst sie in München auf. Mit sieben Jahren steht sie erstmals am Set für den Zirkusfilm Salto mortale. Berühmtheit erlangt sie 1954 als elfjähriges Rosen-Resli von Hans Reinl. Nachkriegsdeutschland braucht zwecks Reinwaschung seine Unschuld vom Land, gewohnt untertänig wird die papierene Kindsheldin verehrt. Das Bild der kleinen Mutterpflegerin tut dem ums Überleben ringenden Patriarchat wohl.

Golden Globe

Das Prädikat "Rosen-Resli" bleibt mit ihr lange Zeit verwachsen, es hält 1958 neben Romy Schneider in Mädchen in Uniform und 1961, als sie für Stadt ohne Mitleid mit Kirk Douglas einen Golden Globe erhält.

In Los Angeles lernt sie 1963 den um 20 Jahre älteren Tony Curtis kennen. In den fünf Jahren ihrer Ehe werden die Töchter Alexandra und Allegra geboren. Mit der Scheidung einher geht ein heftiger Rosenkrieg um das Sorgerecht. Sie kehrt mit den Kindern nach Deutschland zurück und steigt wieder ins Showgeschäft ein. Einmal mehr beweist sie Stärke, indem sie die geifernde Regenbogenpresse links liegen lässt und sich mit Regisseuren des "Neuen deutschen Films" zusammentut, etwa Werner Schroeter und Rainer Werner Fassbinder.

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In der Fernsehserie "Monaco Franze" spielte Christine Kaufmann das Mauerblümchen Olga.

Unvergessen ist sie in Helmut Dietls Monaco Franze. Als stocksteifes Sekretärinnenweibchen war sie mit ihrer Chefin (Ruth Maria Kubitschek) der perfekte Gegenpol zum "ewigen Stenz", Helmut Fischer als Monaco, und stellte zudem ihr komisches Talent unter Beweis. Danach folgten Bühnenauftritte und Fernsehfilme, 2014 knüpfte sie über die Kinoverfilmung von Tom Sawyer und Huckleberry Finn indirekt an den eigenen Kindesruhm an.

Für ihre Schönheit wurde sie bewundert, als Autorin und mit ihrer Kosmetiklinie wusste Kaufmann diese auch zu vermarkten. Mit Nacktfotos im Playboy und drei Ehen blieb sie Liebling der Boulevardpresse. Kaufmann nahm's gelassen: "Die schlimmen Dinge, mit denen man immer rechnen muss, machen mir keine Angst mehr", sagte sie in einem Interview.

Christine Kaufmann starb in der Nacht auf Dienstag in München an den Folgen einer Leukämie. (Doris Priesching, 28.3.2017)

  • Vom Kinderstar zur Hollywoodschauspielerin und Buchautorin: Christine Kaufmann war im Showgeschäft jahrzehntelang tätig.
    foto: robert newald

    Vom Kinderstar zur Hollywoodschauspielerin und Buchautorin: Christine Kaufmann war im Showgeschäft jahrzehntelang tätig.

  • Christine Kaufmann (li.) mit Kirk Douglas und Barbara Rütting im Jahr 1960.
    foto: apa/dpa/georg göbel

    Christine Kaufmann (li.) mit Kirk Douglas und Barbara Rütting im Jahr 1960.

  • Kaufmann 1963 mit ihrem einstigen Ehemann Tony Curtis in Moskau.
    foto: ap

    Kaufmann 1963 mit ihrem einstigen Ehemann Tony Curtis in Moskau.

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    foto: apa/dpa/rainer jensen
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