"Krone"-"Kurier"-Konzern Mediaprint mit bestem Ergebnis seit neun Jahren

28. März 2017, 08:15
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Österreichs zweitgrößtes Medienhaus weist 20,9 Millionen EGT und 19,8 Millionen Jahresüberschuss aus

Wien – Die Mediaprint, Verlagstochter von "Kronen Zeitung" und "Kurier", weist laut jüngstem Jahresabschluss im Geschäftsjahr 2015/16 das höchste Ergebnis seit beinahe einem Jahrzehnt aus: Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) erreichte 20,9 Millionen Euro nach 16,5 Millionen im Jahr zuvor. Jahresüberschuss des zweitgrößten Medienhauses im Land nach dem ORF: gut 19,8 Millionen Euro nach 16,1 Millionen im Geschäftsjahr 2014/15.

Man muss eine Weile zurückschauen, um ein höheres EGT des Zeitungsriesen zu finden: 2005/6 lag der "Krone"-"Kurier"-Konzern zum letzten Mal – mit 35,4 Millionen Euro – in den Dreißigern. 2006/7 waren es mit 25 Millionen zum letzten Mal mehr als im jüngsten Abschluss. Tiefpunkte waren 2008/9 mit nur 1,3 Millionen bei 464 Millionen Umsatz und 2011/12 mit 4,6 Millionen bei 444 Millionen Umsatz.

Umsatz weiter rückläufig

Der Umsatz von Österreichs größtem Verlagshaus sank zuletzt von knapp 430 Millionen im Geschäftsjahr 2014/15 auf nun 421,4 Millionen Euro. Der Jahresabschluss führt den Rückgang auf die "aggressive Wettbewerbssituation" mit neuen Medien und Konkurrenten zurück.

Ein Teil dieser Konkurrenz liegt in der Familie: "Heute"-Herausgeberin ist Eva Dichand, die Frau des "Krone"-Herausgebers Christoph Dichand. Eva Dichands Pluto Privatstiftung hält noch 24,4 Prozent an der Gratiszeitung.

Auflagenrückgänge verbessern Ergebnis

Merklich verbesserte Werte für Ergebnis und Jahresüberschuss der Mediaprint erklärt der Jahresbericht der Mediaprint mit leicht gesteigerten Vertriebserlösen "durch gezielte Marketingaktionen"; Auflagenrückgänge und günstigere Papierpreise hätten die Aufwendungen für Druck und Papier "deutlich gemindert". Das Beteiligungsergebnis 2014/15 sei durch "strukturelle Maßnahmen" und Vorsorgen bei verbundenen Unternehmen "ungewöhnlich niedrig" ausgefallen, 2015/16 sei es wieder deutlich höher ausgefallen, heißt es im Lagebericht zum Jahresabschluss.

Mediaprint-Beteiligungen

Die Holding Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Gesellschaft m.b.H & Co Kommanditgesellschaft ist insbesondere beteiligt an den Druck- und Vertriebsgesellschaften des Konzerns und kleineren Medien, etwa der 2016 liquidierten "Fundgrube", dem "Ärztekrone"-Verlag sowie mit einer Reihe weiterer Verlage an der Österreichischen Sportwetten-Gesellschaft.

Die Mediaprint-Eigentümer

Die Mediaprint gehört zu je 50 Prozent Österreichs reichweitenstärkster Tageszeitung "Krone" und dem "Kurier". Sie übernimmt für beide Titel Druck, Vertrieb und Anzeigengeschäft. Die Redaktionsgesellschaften der beiden Titel erhalten von der Mediaprint ein Jahresbudget (das sogenannte "Redaktionsagendum") zugeteilt.

Die "Krone" gehört zu je 50 Prozent der Familie des Gründers, Hans Dichand, und dem deutschen Großverlag Funke-Gruppe. Am "Kurier" hält Raiffeisen etwas mehr als 50 Prozent, die Funke-Gruppe knapp unter 50.

Die Gewinnverteilung

Den Gewinn der Mediaprint teilen die Eigentümerzeitungen untereinander nach ihren Kommanditanteilen an der Mediaprint auf – also 70 Prozent für die "Krone" und 30 Prozent für den "Kurier".

Von den 19,8 Millionen Jahresüberschuss 2015/16 müssten also knapp 13,9 Millionen an die "Krone" gehen, und dort wiederum jeweils knapp sieben Millionen an Dichands und Funke-Gruppe. Da könnte sich der laut "Krone"-Verträgen garantierte Jahresgewinn für die Dichands durchaus ausgehen (andernfalls müsste die Funke-Gruppe dafür sorgen – ein ewiges Streitthema unter den Gesellschaftern).

Knapp sechs Millionen aus dem Mediaprint-Überschuss müssten an den "Kurier" gehen – grob etwa je drei Millionen an Raiffeisen und Funke-Gruppe. (fid, 28.3.2017)

  • Artikelbild
    foto: red / repro krone/kurier
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