Staatsanwalt will drittes Mal lebenslang für den Exterroristen "Carlos"

27. März 2017, 18:25
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Es geht um Anschlag im Jahr 1974 in Einkaufsgalerie in Paris

Paris – Im Pariser Prozess um einen Anschlag vor mehr als 42 Jahren hat die Staatsanwaltschaft eine weitere lebenslange Haftstrafe für den früheren Topterroristen "Carlos" gefordert. Er sei überzeugt, dass der Venezolaner Ilich Ramírez Sánchez die Handgranatenattacke in einer Einkaufsgalerie in Paris begangen habe, sagte Staatsanwalt Rémi Crosson du Cormier am Montag.

Die Verteidigung kritisierte dagegen eine Vorverurteilung des 67 Jahre alten Angeklagten und forderte einen Freispruch, es gebe keine Beweise. "Das ist kein normaler Prozess, das ist kein normaler Angeklagter, das ist offensichtlich ein politischer Prozess", sagte Anwältin Isabelle Coutant-Peyre.

Bei dem Anschlag im "Drugstore Publicis" im Pariser Viertel Saint-Germain waren im September 1974 zwei Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt worden. Am Dienstag hat Sánchez das letzte Wort, anschließend zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Das Urteil könnte noch am gleichen Tag verkündet werden.

Auch Geiselnahme bei Opec in Wien

Französische Gerichte hatten den als "Carlos, der Schakal" bekannten Sánchez wegen mehrerer anderer Anschläge und Morde schon zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt. Der für die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) aktive Venezolaner war in den 1970er- und 1980er-Jahren einer der meistgesuchten Männer der Welt.

Er war etwa an der Geiselnahme von Opec-Ministern im Dezember 1975 in Wien beteiligt. Dabei wurden drei Personen getötet. Bei einem Schusswechsel starben ein österreichischer Kriminalbeamter, ein irakischer Sicherheitsmann und der libysche Delegierte Yusuf al-Azmarly. Der deutsche Linksterrorist Hans-Joachim Klein wurde angeschossen. Auch ein Wiener Polizist wurde verletzt.

Carlos wurde 1994 im Sudan gefasst und nach Frankreich gebracht. Sánchez selbst präsentierte sich vor Gericht als "Berufsrevolutionär" im Namen des palästinensischen Widerstands.

Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass er mit dem Anschlag den Druck auf die französische Regierung erhöhen wollte. Zwei Tage zuvor hatte ein Kommando der Japanischen Roten Armee in der französischen Botschaft in Den Haag Geiseln genommen, um einen in Frankreich eingesperrten Aktivisten freizupressen.

Möglicherweise gefälschtes Interview

Die Anklage stützte sich unter anderem auf die in Paris verwendete Granate. Sie soll aus einer US-Basis in der Bundesrepublik Deutschland gestohlen worden sein – was Verteidiger Francis Vuillemin aber in Zweifel zog. Andere Granaten aus der damaligen Beute wurden später von den Geiselnehmern von Den Haag zurückgelassen, eine weitere wurde in einer Wohnung einer Geliebten von "Carlos'" in Paris gefunden. Zudem soll sich der Venezolaner in einem Interview eines arabischen Magazins zu dem Anschlag bekannt haben – allerdings bezeichnete er dieses Interview als gefälscht.

Der Staatsanwalt wies selbst darauf hin, dass mehrere Zeugen über die jahrzehntelangen Ermittlungen und im Prozess unterschiedliche Aussagen gemacht hatten. Diese Widersprüche hob die Verteidigung am Montag hervor und argumentierte, dass die Aussagen wegen der langen Zeit, die seit der Tat verstrichen ist, nicht verlässlich seien. Sie argumentierte zudem erneut, dass der Fall eigentlich verjährt sei. Die Justiz hatte nach jahrelangem Ringen entschieden, dass Verjährung wegen einer Verbindung zu anderen Verfahren nicht zur Anwendung kommen könne. (APA, 27.3.2017)

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