EU genehmigt Milliardenfusion von US-Chemiekonzernen

27. März 2017, 14:33
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Dow und DuPont dürfen unter Auflagen fusionieren. Umwelt- und Entwicklungsverbände warnen vor einer Monopolisierung

Brüssel – Die EU-Wettbewerbshüter haben unter Auflagen den Weg für die milliardenschwere Fusion der US-Chemiekonzerne Dow und DuPont freigemacht. Die Genehmigung stehe unter dem Vorbehalt, dass sich DuPont von großen Teilen seiner globalen Pestizidsparte trenne, teilte die EU-Kommission am Montag mit. Die beiden Konzerne hätten dem zugestimmt.

"Der heutige Beschluss verhindert, dass der Wettbewerb auf dem Markt für erhältliche Pestizide durch die Fusion von Dow und DuPont beeinträchtigt wird und die Innovationstätigkeit zur Entwicklung besserer Produkte in der Zukunft abnimmt", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Der Käufer der Sparte dürfte in der Lage sein, zum Nutzen der europäischen Landwirte und Verbraucher, DuPont als Wettbewerber auf den betreffenden Märkten zu ersetzen und weiterhin Produktinnovationen hervorzubringen, erklärte die Brüsseler Behörde.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Mitte Februar unter Berufung auf Insider berichtet, dass die EU-Kommission die 130 Mrd. Dollar (120 Mrd. Euro) schwere Fusion genehmigen wird. Für die Branche stehen noch die EU-Entscheidungen zu den Fusionen von Bayer und Monsanto sowie Syngenta und ChemChina aus.

Umweltverbände warnen vor Fusionen

Fast 200 Umwelt- und Entwicklungsverbände sowie weitere Organisationen in ganz Europa warnen indes einmal mehr vor geplanten Fusionen von international tätigen Agrarkonzernen. Diese würden "zu einer starken Monopolisierung führen, die eine Reihe negativer Konsequenzen nach sich zieht", hieß es in einem am Montag in Berlin verbreiteten offenen Brief an die EU-Kommission.

Die Verbände forderten die Kommission darin zum Einschreiten auf.

Konkret geht es um die Fusionspläne von Bayer und Monsanto sowie von Dow Chemical und DuPont sowie Syngenta und ChemChina. Deren Zusammenschlüsse würden "Marktmacht weiter konzentrieren und zu einer inakzeptablen Oligopolstellung führen", warnen die beteiligten Verbände. Dann nur noch drei Konzerne würden 70 Prozent des weltweiten Pestizidmarkts und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollieren.

"Die Fusionen würden die durch die industrielle Landwirtschaft verursachten Probleme weiter verschärfen, mit negativen Folgen für das Gemeinwohl und Verbraucher(-innen), Bauern und Bäuerinnen, die Umwelt und die Ernährungssicherheit", hieß es weiter. Die EU-Kommission dürfe bei ihrer Bewertung der Zusammenschlüsse nicht nur auf deren ökonomische Folgen blicken, sondern müsse dies "in ihrer Gesamtheit betrachten und ablehnen".

Zu den Initiatoren des offenen Briefes zählen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Aktion Agrar, die Umweltverbände BUND, Nabu und Greenpeace, der entwicklungspolitische Dachverband FIAN Deutschland, das ökumenische Inkota-Netzwerk, die Organisation Save Our Seeds sowie zahlreiche weitere Verbände aus verschiedenen europäischen Staaten. Für die geplanten Agar-Fusionen laufen derzeit auf unterschiedlichen Ebenen die Genehmigungsverfahren. Neben europäischen sind daran auch US-Behörden beteiligt. (APA/Reuters, 27.3.2017)

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