Erdoğan-Referendum: Auslandstürken machen den Anfang

27. März 2017, 10:51
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In Österreich sind rund 108.500 Personen stimmberechtigt – in der Türkei selbst wird am 16. April abgestimmt

Wien/Berlin – Bei strahlendem Sonnenschein zeichnete sich am ersten Tag der Stimmabgabe zum Verfassungsreferendum unter den Türken in Wien eine rege Wahlbeteiligung ab. Wähler drückten sich im türkischen Konsulat die Klinke in die Hand. Hasan Altun, nach eigenen Angaben als Freiwilliger an der Urne zur Begleitung der Wahl postiert, schätzte die Beteiligung auf mehrere hundert Personen.

14 Tage lang kann gewählt werden, nicht nur in Wien sondern auch in Bregenz und Salzburg. Offizieller Abstimmungstag ist in der Türkei der 16. April. Ausgezählt werden die Stimmen in Ankara, in Wien wird nur gezählt, wie viele Stimmen in den Urnen liegen . "Was herauskommt, sehen wir am 16. April am Abend", sagt Altun. "Ich hoffe, dass ein Nein rauskommt", fügt er hinzu. Bei Umfragen sei das "Nein" immer vorne gewesen, meint Altun. Das aktuelle System in der Türkei "ist vollkommen genug, wir wollen nicht wie Libyen sein, wir wollen Demokratie und Menschenrechte wie in Österreich".

"Europa erlaubt den Terroristen alles"

Zwei weitere – nicht repräsentative – Befragungen ergaben allerdings ein anderes Bild. "Es geht um die Zukunft der Türkei", sagte Soner. Er habe mit "Ja" gestimmt, also für das von Recep Tayyip Erdogan gewünschte Präsidialsystem. Er erhoffe sich davon eine stärkere Türkei, in der nur mehr ein Präsident das Sagen habe, nicht ein Präsident und ein Regierungschef unterschiedliche Positionen vertreten.

Wenn Europa bessere Beziehungen mit der Türkei wünsche, dann müsse es sich ändern. "Europa erlaubt den Terroristen alles, aber wenn die Türken etwas wollen, dann greifen die Behörden ein". Dabei sei die PKK eine verbotene Terrororganisation, sie dürfe aber demonstrieren. In Europa werde nicht demokratisch mit den Türken umgegangen: "Für uns ist alles verboten". Er erinnerte daran, dass in den Niederlanden ein Polizeihund einen türkischen Demonstranten gebissen hat. Auch dass keine Doppelstaatsbürgerschaften erlaubt sind, sei nicht verständlich.

Klar für "Erdogan" habe sie gestimmt, sagte auch Ayten Sentürk. Die Türkei "ist unsere Republik. Wir können machen was wir wollen". Besondere Empörung rief bei ihr der Anti-Erdogan-Banner auf der türkischen Botschaft vor wenigen Tagen hervor. Sie setze auf den Präsidenten und hoffe, dass mit ihm auch die Beziehungen zur EU wieder besser werden. Erdogan kümmere sich um alle internationalen Beziehungen und wolle keine Auseinandersetzungen. (APA, 27.3.2017)

  • Auch im fränkischen Fürth wird über die Zukunft der Türkei abgestimmt.
    foto: daniel karmann/dpa via ap

    Auch im fränkischen Fürth wird über die Zukunft der Türkei abgestimmt.

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