Alzheimer: Auf der Suche nach Vorhersagbarkeit

27. März 2017, 09:45
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Auf der Suche nach Biomarkern wird nach Proteinen geforscht, die lange vor Ausbruch der Erkrankungen nachweisbar sind – Ziel: früher Therapiebeginn

Rund 100.000 ÖsterreicherInnen leiden an der Alzheimer Krankheit, 16.000 sind es bei Parkinson. Aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft werden sich diese Zahlen laut Expertenschätzungen in den kommenden 30 Jahren voraussichtlich verdreifachen.

Morbus Alzheimer und Parkinson sind fortschreitende degenerative Hirnerkrankungen, die bis zu 30 Jahre vor dem Auftreten von Symptomen beginnen. Eine frühe Diagnose wäre wichtig, um der Erkrankung entgegenzuwirken. Verfügbare Früherkennungstests geben aber keine seriöse Aussage über den weiteren Verlauf ab und bergen sogar das Risiko falsch positiver Befunde. "Daher ist die weltweite neurologische Forschung auf der Suche nach einem spezifischen Biomarker-Signal für Alzheimer", sagt Peter Dal-Bianco, Alzheimer-Experte von der MedUni Wien. Dal-Bianco ist sich sicher: "Es gibt den einen Biomarker, nur haben wir ihn noch nicht gefunden."

Therapie lange vor Symptomen

Biomarker sind biologische Merkmale im Körper, die auf eine Krankheit hinweisen können. Zwar gibt es für Alzheimer einzelne biologische Signale im Liquor wie die Aß-Peptide oder die Tau-Proteine, die als Ansatz für die medikamentöse Behandlung herangezogen werden können – aber nicht "den" Biomarker, der anzeigt, dass der oder die Betroffene in Zukunft klinisch an einer neurodegenerative Erkrankung leiden wird.

Dal-Bianco: "Derzeit können wir erst therapieren, wenn die Erkrankung bereits klinisch ausgebrochen ist." Aber bereits Jahre davor "schlummert" die Erkrankung im klinisch gesehen völlig gesunden Menschen. Ziel ist, so der MedUni Wien-Experte, es künftig möglich zu machen, Menschen in Risikogruppen im Alter von 35 Jahren zu screenen und diesen mit hundertprozentiger Sicherheit diese Diagnose zu stellen oder besser die Risikofreiheit mitzuteilen.

Impfung als Ziel

Ein wichtiger aktueller Ansatzpunkt sind die Tau-Proteine, die am Stofftransport innerhalb der Nervenzellen beteiligt sind. Wenn Tau-Proteine hyperphosphoriliert sind, ist der Stofftransport gestört, es kommt zu Funktionsstörungen und führt schließlich zum Zelltod. Dies ist eine der Hauptcharakteristika der Alzheimer Demenz.

Vor wenigen Jahren wurde unter der Leitung der Neurologischen Klinik in Graz (Reinhold Schmidt) und an der MedUni Wien Wien (Dal-Bianco) gemeinsam mit der Klinischen Pharmakologie an der MedUni Wien eine Immuntherapie zur Reduktion pathologischer Taus in einer randomisiert-kontrollierten Studie (RCT) getestet. Die Ergebnisse sind viel versprechend, eine mögliche Impfung könnte es gegen diese Ursache von Alzheimer Demenz in einigen Jahren geben.

Mit den richtigen Maßnahmen können klinische Symptome der Alzheimer Demenz verzögert bzw. erste Symptome wie Vergesslichkeit positiv beeinflusst werden, betont der MedUni Wien-Experte. So wirken Spaziergänge mit gleichzeitigem Dialog oder ein Balance- und Gedächtnistraining am Computer, soziale Aktivitäten und eine ausgewogene Diät unterstützend.

Warnzeichen erkennen

Dal-Bianco: "Auch das sogenannte Multi-Tasking in unserer schnelllebigen Zeit ist förderlich für unsere kognitive Kapazität. Wenn das jemand nach dem Motto ‚lass mich in Ruhe‘ ablehnt oder nicht mehr schafft, könnten das erste AD-Warnzeichen sein."

Um an Alzheimer Demenz erkrankten Menschen zu helfen, werden im EU-Projekt "Memento", das die MedUni Wien gemeinsam mit dem AIT (Austrian Institute of Technology) und weiteren internationalen Partnern durchführt, so genannte elektronische Devices entwickelt, die den Betroffenen im Alltag unterstützen. So wird etwa mit Hilfe von GPS der Weg zum Einkaufen bzw. wieder zurück nach Hause akustisch angeleitet, ähnliche Geräte gibt es auch zur Personenortung. (red, 27.3.2017)

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