"Wunderwuzzi" oder Spezialist: VBW suchen Intendanten

27. März 2017, 07:45
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Ausschreibung für Musicalbereich bzw. für Theater an der Wien und Kammeroper veröffentlicht

Wien – Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) sind auf der Suche nach dem "Wunderwuzzi": Am Wochenende hat der Theaterkonzern die Ausschreibung für einen – oder auch zwei – Intendanten ab der Spielzeit 2020/21 publik gemacht. In zwei getrennten Ausschreibungstexten wurden die Leitungspositionen für die Bereiche Musical bzw. Theater an der Wien/Kammeroper veröffentlicht. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Mai.

Eine gemeinsame Leitung beider Sparten ist dabei explizit nicht ausgeschlossen. "Es sind Bewerbungen für eine der Sparten willkommen", heißt es im Ausschreibungstext, "aber auch künstlerische Konzepte, die eine Bespielung aller Bühnen unter einer gemeinsamen künstlerischen Leitung vorsehen".

Ursprünglich hatte man im Vorjahr angestrebt, eine Ausschreibung der beiden Leitungsstellen noch 2016 umzusetzen. Im April hatte der damalige Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und jetzige Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) bekanntgegeben, die Verträge des Intendanten des Theaters an der Wien, Roland Geyer, und des Musicalbereichs, Christian Struppeck, ohne Ausschreibung bis 2020 zu verlängern.

"Formal ist es so, dass es keine gesetzlich zwingende Notwendigkeit für eine Ausschreibung gibt", so Drozdas Begründung, da es sich um die Position eines Prokuristen, nicht eines Geschäftsführers handle. Geyer hatte damals angekündigt, sich fix nicht mehr für eine Fortführung über das Ende der Saison 2019/20 hinaus bewerben zu wollen.

Bereits 2014 hatte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) im "Kurier"-Interview seinen Wunsch öffentlich gemacht, zukünftig im Idealfall eine Person für beide Sparten zu haben: "Wir suchen einen Wunderwuzzi oder eine Wunderwuzzin. Wir schließen aber nicht aus, dass es, wenn wir niemanden finden, weiterhin zwei Intendanten geben wird."

"Halte viel von Spezialisten"

Als Reaktion darauf verkündete der damalige VBW-Chef Drozda in der "Presse": "Ich sehe keine Notwendigkeit und keinen Sinn, diese Struktur in Richtung Generalintendanz zu verändern." Er betonte, dass die Klientel und Partner in beiden Bereichen gänzlich unterschiedlich seien: "Ich halte viel von Spezialisten."

2015 schließlich zeigte sich auch Mailath-Pokorny im "Kurier" etwas skeptischer: "Jemand, der sowohl Musical als auch Oper bestmöglich führt, ist sehr schwer zu finden. Ich gehe davon aus, dass zwei Jobs ausgeschrieben werden. Sollte sich doch ein Wunderwuzzi finden, woran ich momentan zweifle, wird man sich das anschauen."

In jedem Fall wird im jetzigen Ausschreibungstext für den Musicalbereich auf "die Planung und Durchführung erstklassiger internationaler Long-Run-Musicalproduktionen für das Raimund Theater und das Ronacher" Wert gelegt. Besonders wichtig ist "die Eigenentwicklung erfolgsversprechender neuer Musicalstoffe für die Long-Run-Bespielung und deren internationale Vermarktung". "Dabei sollen auch zeitgemäße gesellschaftliche Themen, musikalische Trends und Kooperationsmöglichkeiten international sowie mit der Wiener Kulturszene ins Auge gefasst werden."

Im Opernbereich umfasst der Aufgabenbereich "die Planung und Durchführung erstklassiger, internationale Anerkennung findender Produktionen der bedeutenden Genres des zeitgemäßen Musiktheaters, einschließlich Gastspielen und internationaler Kooperationen". Eine wichtige Aufgabe stelle außerdem die Pflege und Weiterentwicklung des "Jungen Ensembles" dar, "auch um die bereits gut etablierte Verbindung mit der Wiener Kammeroper auf allen Ebenen weiterzuentwickeln und zu stärken. Dabei ist die Strahlkraft der international anerkannten, exzellent positionierten Marke 'Theater an der Wien' auf die Kammeroper zu überbinden."

Als Jahresgehalt werden in beiden Ausschreibungen 150.000 Euro (brutto) angegeben. Eine Überzahlung ist gemäß Qualifikation und Erfahrung aber möglich. (APA, 27.3.2017)

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