Wahl im Saarland: Ende des roten Rausches

Kommentar26. März 2017, 18:55
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Umfragen sind keine Wahlergebnisse

Vielleicht gibt es im Willy-Brandt-Haus in Berlin schon gar keinen Sekt mehr. So berauscht, wie die deutschen Sozialdemokraten in den vergangenen Wochen von Martin Schulz waren, bedurfte es eigentlich gar keiner alkoholischen Unterstützung mehr. Doch am Abend der Saar-Wahl hat der eine oder andere Genosse dann doch ein Gläschen zur Beruhigung gebraucht.

Die Sozialdemokraten haben nicht massiv verloren, das ist ja schon mal was. Man kennt sehr viel desaströsere Wahlabende. Doch es ist auch nicht das passiert, was viele sich erhofft haben: dass der Schulz-Effekt so groß ist und zum Auftakt des Superwahljahres gleich einmal die SPD im Saarland in lichte Höhen zieht.

Und es trat auch nicht ein, was viele im Umkehrschluss für fast schon sicher gehalten haben: dass die CDU weiter abgestraft wird – natürlich auch für die Asylpolitik von Regierungschefin Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin muss sich nach dieser Wahl im Saarland noch lange nicht mit dem Gedanken vertraut machen, eventuell ab September die Koffer packen zu müssen.

Umfragen sind keine Wahlergebnisse

Im Gegenteil: Schulz hat zwar mit seinem Auftauchen in der Bundespolitik selbige wieder spannend gemacht, weil er der frustrierten SPD Hoffnung gab und der Einzug ins Kanzleramt durchaus in den Bereich des Möglichen rückte. Schließlich liegen Union und SPD in Umfragen seit einiger Zeit gleichauf. Aber es sind eben nur Umfragen und noch keine Wahlergebnisse. Dazwischen gibt es, wie sich nun im Saarland zeigt, doch noch einen Unterschied.

Offensichtlich ist die gefühlte Schulz-Begeisterung größer als die in Prozent gemessene. Vielleicht kommt das, was viele in der SPD als "Euphorie" verkaufen wollen, beim Wahlvolk doch als zu wolkige oder gar als heiße Luft an. Oder als "Mogelpackung", weil sich viele fragen: Wenn's so wichtig ist, warum hat sich die SPD nicht in den vergangenen Jahren in der Koalition dafür starkgemacht?

Angesichts des CDU-Ergebnisses kann man auch feststellen: Die Angst vor einem linken Bündnis wirkt. Die Sorge vor einer Regierungsbeteiligung der Linkspartei hat offenbar die zuletzt vielfach frustrierten Konservativen wieder an die Urnen getrieben. Ein Ergebnis dürfte immerhin CDU wie SPD nicht so schlecht gefallen: jenes der AfD, das diesmal äußerst bescheiden ist. Die Lehre daraus: Die AfD bleibt rechts liegen, wenn die großen Parteien wieder um verschiedene Positionen ringen und im Fokus stehen. (Birgit Baumann, 26.3.2017)

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