IS schürt Sorge um Euphrat-Damm in Syrien

26. März 2017, 17:05
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Kraftwerk nach schweren Luftangriffen außer Betrieb – Sabotage durch Islamisten befürchtet

Tabqa – Mit dem Vorrücken kurdisch geführter Kampftruppen auf Al-Raqqa wächst die Sorge um den Euphrat-Staudamm im Westen der syrischen IS-Hochburg. Am Wochenende sei die Stromproduktion beim Tabqa-Staudamm eingestellt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Hinter dem Damm staut sich der Assad-See, nur wenige Dutzend Kilometer stromabwärts liegt Al-Raqqa.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte über ihr Sprachrohr Amaq indirekt mit dem Einsturz des Bauwerks. Wegen "US-Luftangriffen und eines hohen Wasserstandes" sei der Damm vom Zusammenbruch bedroht. Der Sprecher der arabisch-kurdischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK), Talal Sello, betonte hingegen, es gebe keine unmittelbare Gefahr, dass der Damm brechen könne und bestritt, dass es Luftangriffe gegeben habe.

Stromversorgung beschädigt

Die US-Streitkräfte hatten SDF-Einheiten mit Hubschraubern in das Gebiet geflogen, um die Bemühungen zur Verdrängung des IS von dem Staudamm zu unterstützen. Falls der Damm breche, bestünden Gefahren für Raqqa und die Provinz Deir ez-Zor (Deir al-Zor), warnte das UNO-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA). Techniker berichteten, dass der Staudamm wegen einer Beschädigung der Stromversorgung nicht mehr gesteuert werden könne. Wegen der Kämpfe in der Region sei kein Personal verfügbar, um den Schaden zu beheben.

Angesichts der von westlichen Staaten unterstützten Offensive auf Al-Raqqa und das vom IS beherrschte Umland wird schon länger befürchtet, ein in Bedrängnis geratener IS könne den Damm sabotieren, um die Region zu fluten.

Im Osten der syrischen Hauptstadt Damaskus konnte die syrische Armee unterdessen Gebiete zurückerobern, die Anfang der Woche von Rebellen eingenommen worden waren. Im Zuge einer intensiven Militäroperation sei es gelungen, alle Positionen zwischen den Vierteln Jubar und Al-Kabun zurückzugewinnen, teilte die Armee am Freitag mit.

Wenige Kilometer entfernt wurden bei zwei Luftangriffen auf Rebellengebiete den Menschenrechtlern zufolge mehr als 30 Menschen getötet. In einem Fall hätten zunächst unidentifizierte Flugzeuge eine Hauptstraße in Ost-Ghouta am Rande der Hauptstadt angegriffen. Mehr als 60 Menschen sollen demnach zudem verletzt worden sein. (APA, 26.3.2017)

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