Trumps Ex-Berater Flynn besprach Auslieferung Gülens

25. März 2017, 22:05
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Ex-CIA-Direktor: Mit türkischen Regierungsvertretern "Nacht- und Nebel"-Aktion zur Überstellung des Predigers erörtert

Washington/Istanbul – Der ehemalige Berater von US-Präsident Donald Trump während dessen Wahlkampagne, Mike Flynn, soll sich mit türkischen Regierungsvertretern getroffen haben, um über eine extralegale Überstellung des Predigers Fethullah Gülen aus dessen US-Exil in die Türkei zu sprechen. Das berichtete der frühere CIA-Direktor James Woolsey nach Angaben des "Wall Street Journal".

Woolsey nahm laut dem Bericht selbst an dem Treffen teil. Außerdem stützte sich das Blatt auf die Aussagen weiterer Zeugen. Bei den Gesprächen mit Trumps früherem Sicherheitsberater, Ex-General Flynn, sei es darum gegangen, wie man Gülen, dem Ankara die Verantwortung für den Putsch vom 15. Juli 2016 anlastet, unter Umgehung der Auslieferungsprozeduren außer Landes schaffen könne.

"Verdeckte Aktion"

Wie auch "Hürriyet Daily News" berichtet, nahm Woolsey am 19. September in New York an einem Treffen mit hochrangigen türkischen Regierungsvertretern, darunter Energieminister Berat Albayrak und Außenminister Mevlüt Cavusoglu, teil. Dabei wurde die Möglichkeit diskutiert, "in einer verdeckten Aktion bei Nacht und Nebel den Kerl wegzuschaffen", wurde Woolsey zitiert. Allerdings habe man nicht darüber gesprochen, wie man Gülen von seinem US-Wohnsitz fortbringen könne. Wären spezifische Pläne erörtert werden, hätte er sofort ihre Legalität in Frage gestellt.

Woolsey äußerte sich den Angaben zufolge während der Diskussionen nicht, er warnte aber später, Gülen auf diese Art aus den USA fortzuschaffen, sei keine gute Idee und könnte gegen US-Gesetze verstoßen. Der Ex-CIA-Chef informierte auch den damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden über einen gemeinsamen Freund.

Rücktritt

Flynn trat als Trumps nationaler Sicherheitsberater am 13. Februar zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er vor der Amtsübernahme des gegenwärtigen Präsidenten mit dem russischen Botschafter über die Russland-Sanktionen gesprochen und Vizepräsident Mike Pence nicht darüber umfassend informiert hatte. Er wurde durch Generalleutnant Herbert Raymond McMaster ersetzt.

Die Türkei fordert von den USA die Auslieferung Gülens, der im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt. Im August 2016 hatte eine US-Delegation die Türkei besucht und die von Ankara vorgelegten Dokumente gesichtete, die die Schuld Gülens für den gescheiterten Putschversuch belegen sollen. Auch der türkische Justizminister Bekir Bozdag reiste im Oktober in dieser Angelegenheit in die USA. Gülen hat den Putschversuch verurteilt und jede Verantwortung dafür geleugnet. Bisher konnte die Türkei die USA noch nicht von Gülens Schuld überzeugen. (APA, 25.3.2017)

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