London-Anschlag: Wie mit einem Schnappschuss Hass gegen Muslime geschürt wird

25. März 2017, 10:48
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Bild von junger Frau wurde in den sozialen Netzwerken aufgeregt geteilt

Kurz nach dem Anschlag in London, bei dem vier Menschen und der Täter selbst ums Leben kamen, verbreiteten sich Bilder von dem Attentat auf Facebook, Twitter und Co. Ein Foto einer jungen Frau mit Kopftuch wurde besonders oft geteilt. Auf dem verbreiteten Bild sieht es im ersten Moment so aus, als würde sie unbekümmert an einem der Opfer vorbeigehen, während sie auf ihr Smartphone starrt. Bei einer weiteren Aufnahme sieht man allerdings, wie geschockt die Frau wirklich ist. Geteilt wurde allerdings nur das erste Foto mit Kommentaren wie "Das ist der Unterschied zwischen Christen und Muslimen".

Dieses Foto verbreitete sich mitsamt hasserfüllter und xenophobe Kommentare im Netz.

Die Betroffene meldet sich zu Wort

Die fotografierte Frau meldete sich nun gegenüber "Tell Mama" zu Wort. Das Portal dokumentiert islamfeindliche Zwischenfälle. "Ich bin schockiert und komplett bestürzt hinsichtlich der Tatsache, dass dieses Foto von mir in den sozialen Netzwerken geteilt wird", sagt die junge Frau. "Ich musste nicht nur eine schreckliche Terrorattacke miterleben, sondern auch damit umgehen, dass mein Foto mitsamt xenophober und hasserfüllter Kommentare geteilt wird", kommentierte die Betroffene weiter. Sie fügte noch hinzu, dass sie sich zu dem Zeitpunkt voller Angst, Traurigkeit und Sorge fühlte und bereits einen weiteren Zeugen gefragt hatte, ob und wie sie helfen könnte.

Frau rief ihre Familie an

Auf dem besagten Foto ist die Frau deshalb so auf ihr Smartphone fixiert, weil sie aus Schock ihre Familie anrufen wollte. Sie half daraufhin einer ebenso geschockten Frau zu der Station Waterloo. Kurz danach verbreitete sich ihr Bild wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken. Fotograf Jamie Jorriman wurde von der Frau bereits kontaktiert. Sie bedankte sich bei ihm, dass er sie deutlich verteidigte. "Wenn ich mir die Fotos so ansehe, sieht man doch klar, dass sie auf beiden Bilder vollkommen verzweifelt aussieht", sagt Lorriman gegenüber dem Guardian. "Wir wurden außerdem dazu beordert, die Brücke zu verlassen – also ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihr das auch kurz vor der Aufnahme gesagt wurde", kommentiert der Fotograf die damalige Situation weiter.

Einige verteidigten sie auch

Lorriman beobachtete die Verbreitung seiner Bilder in den sozialen Netzwerken und sagt auch, dass auf das Bild auch Leute reagierten, die die Frau verteidigten. Viele User hätten die Frau etwa verteidigt, andere posteten etwa Fotos von weiteren Passanten, die an den Opfern vorbeigingen. Die betroffene Muslimin hat sich bereits an einige Medien gewandt und darum gebeten, die Verbreitung der Bilder zu stoppen – es sei denn, die Fotos werden dafür verwendet, um die Situation aufzuklären. (dk, 25.03.2017)

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