Ein Hoch auf die Sommerzeit

Blog25. März 2017, 15:00
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Die Kritik am jährlichen Ritual geht ins Leere: Die Zeitumstellung bringt vor allem mehr Lebensqualität

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Sobald Ende März die Zeitumstellung auf Sommerzeit naht, melden sich die Kritiker zu Wort, die dieses jahrzehntealte Ritual endlich beenden wollen.

Diesmal ist es etwa der ÖVP-Europaabgeordnete Heinz K. Becker, der mit einem uhrförmigen Tortenstück die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc dafür rügt, dass sie mit ihm nicht über die Abschaffung verhandeln will. Unterstützung erhält er von der ÖVP-Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec.

"Sinnlos und lebensgefährlich"

Beckers Warnungen sind drastisch: Die Zeitumstellung in der Nacht auf Sonntag ist sinnlos, weil sie keine Einsparungen beim Energieverbrauch bringt, und lebensgefährlich für Kinder und Senioren, die Schlaf verlieren und sich dadurch verletzen könnten. Bis zu 300 Milliarden Euro würde die Umstellung der Uhren zweimal im Jahr die EU kosten, behauptet Becker mit Verweis auf einen deutschen Biologen.

Letzteres ist dennoch eine Fantasiezahl. Auch in den USA schwirren Schätzungen über volkswirtschaftliche Kosten herum, doch die betragen nur einige hundert Millionen Dollar. Auch das ist wahrscheinlich falsch: Die Umstellung ist gut eingespielt, die Kosten sind überschaubar.

Zuerst weniger, dann mehr Schlaf

Es stimmt, dass in den ersten paar Tagen der Sommerzeit manche Menschen weniger schlafen; Studien orten dann eine erhöhte Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr. Dafür aber werden die Leute im weiteren Verlauf des Sommers erst eine Stunde später von Vogelgezwitscher und Tageslicht geweckt. Das erhöht die Sicherheit, auch im Straßenverkehr.

Ja, die Einsparung beim künstlichen Licht ist gering, weil dieses heute nicht mehr sehr teuer ist. Aber der Sinn der Zeitumstellung ist ja ein anderer: Es geht um Lebensqualität.

Sonnenaufgang um vier Uhr früh?

Gerade in einem Land wie Österreich, das ziemlich östlich in seiner Zeitzone liegt, hätte niemand etwas davon, wenn die Sonne im Juni (so wie vor den 1970er-Jahren) um vier Uhr früh aufginge – und es dafür schon vor acht Uhr abends wieder dämmerte. Selbst Bauern können dank der Zeitverschiebung länger schlafen.

Vor allem aber hebt es die Lebensqualität, wenn die Sonne bei Arbeitsschluss im Sommer noch scheint, man vielleicht noch schwimmen gehen oder bis in den Abend hinein mit Freunden im hellen Schanigarten sitzen kann. Das hebt die Stimmung, fördert die Geselligkeit und stärkt die Gesundheit – auch die von Korosecs Senioren. (Eric Frey, 25.3.2017)

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    foto: apa/pfarrhofer
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