Schlafende Giganten gegen rechte Hetze

25. März 2017, 11:00
175 Postings

Rund 1600 Unternehmen blocken Werbung auf Breitbart. Die Aktivisten beanworteten anonym Fragen des STANDARD

Wien – Amazon bleibt hartnäckig: Mehr als 550.000 unterzeichneten die Onlinepetition sumofus.com gegen Werbung des Internethändlers im rechtsextremen Webportal Breitbart News. Der Druck der eigenen Mitarbeiter im Konzern wächst. Aber noch scheint Amazon nicht unter jenen inzwischen knapp 1600 Unternehmen auf, die nach Aufforderung der Netzaktivisten Sleeping Giants das rechtsextreme Portal nicht mehr mit Werbung finanzieren wollen.

Wie berichtet, fragen die anonymen Mitglieder der Gruppe unter @slpng_giants und für Europa @slpng_giants_eu über Twitter bei Firmen an, ob sie wirklich auf der ultrarechten Nachrichtenplattform werben wollen. Immer mehr ziehen sich zurück. Die Liste ist auf Twitter abrufbar. Konzerne wie Kellog's, Uber und Verizon sind darunter, deutsch-österreichische Großwerber wie Hofer, Lidl, Spar, und Rewe und österreichische Marken, etwa XXX Lutz, Swarovski und Zotter Schokolade. Der Onlineskiverleiher Alpinresorts stoppte nach einer STANDARD-Anfrage seine Werbung.

DER STANDARD befragte Vertreter der europäischen Sleeping Giants, die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes anonym bleiben wollen, per Mail über ...

... aktive Organisationen "Folgende Twitter-Accounts gibt es: außereuropäisch: USA, Kanada, Neuseeland, Brasilien; in Europa: Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande, Finnland, Norwegen, Italien, Spanien – und eben die Sleeping Giants Europe.

... die Gründungsgeschichte "Nachdem die US-Kampagne der Sleeping Giants nach den Präsidentschaftswahlen an Fahrt gewann, haben einige Leute in Europa das mitbekommen und entschieden, dass es eigentlich auch hier Sleeping Giants braucht. Breitbart wurde mehr und mehr in europäischen Medien zum Thema, nicht zuletzt durch die Aufnahme von Stephen Bannon in Trumps engstes Team – und dadurch, dass immer mehr darüber bekannt wurde, wie Breitbart als Strategieinstrument in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen – mit Breitbart London auch für den Brexit – eingesetzt wurde. Nachdem Breitbart offen ankündigte, weitere Büros in Deutschland, Frankreich, Italien zu eröffnen, musste befürchtet werden, dass auch dort eine Einflussnahme auf die Wahlen geplant ist."

... Finanzierung "Sleeping Giants Europe besteht aktuell aus drei Personen. Bisher werden die Accounts ausschließlich von Freiwilligen betreut, es gibt keine Finanzierung."

... Motive "Durch die Mechanismen des Programmatic Advertising wissen die allermeisten Firmen und Organisationen, die auf Breitbart werben, überhaupt nichts davon, dass ihre Marken direkt neben Breitbart-Inhalten auftauchen. Darauf machen wir aufmerksam – es geht uns also auch darum, grundsätzlich zu sensibilisieren für die Tücken des Programmatic Advertising. Werbetreibende müssen sich überlegen, welche Werte sie unterstützen möchten mit ihrem Geld – und was das mit ihrer Marke macht. Wenn sie entscheiden, weiterhin auf Breitbart werben zu wollen, ist das ihre Sache – wir rufen zu keinen Boykotten oder ähnlichen Aktionen auf, das ist uns wichtig."

... Anonymität "Die Anonymität ist enorm wichtig, weil wir üble Erfahrungen mit Personen gemacht haben, die sich von Berichten über uns oder der Unterstützung durch Prominente dazu anstacheln ließen, uns anzugreifen. Einzelne Aktivisten wurden böse attackiert, und da, wo die Profile viele Informationen über die Personen preisgaben, wurden beispielsweise Arbeitgeber kontaktiert oder persönliche Details veröffentlicht."

... Vernetzung "Es gibt keine institutionalisierte Vernetzung, man weiß voneinander und unterstützt sich gelegentlich bei Aktionen auf sozialen Medien. Vieles ist von Reichweite abhängig, da kann man Verbündete gebrauchen."

... Reaktion von Breitbart "Auf unsere europäische Kampagne bisher nicht, aber als letztes Jahr Kellogg's als eine der ersten großen Firmen Breitbart auf die Blacklist setzte, hat Breitbart zum Kellogg's-Boykott aufgerufen."

... Ausbaupläne "Wenn sich in einem weiteren Land Personen finden, die sich engagieren wollen und Teil von Sleeping Giants sein möchten, wird sich das ergeben." (Doris Priesching, 25.3.2017)

  • Über Twitter regen die Sleeping Giants Firmen an, nicht mehr auf Breitbart zu werben.
    screenshot

    Über Twitter regen die Sleeping Giants Firmen an, nicht mehr auf Breitbart zu werben.

  • Amazon ließ sich bis jetzt noch nicht überzeugen und wirbt weiterhin in der ultrarechten Webplattform.
    screenshot

    Amazon ließ sich bis jetzt noch nicht überzeugen und wirbt weiterhin in der ultrarechten Webplattform.

Share if you care.