Julya Rabinowich: Sonnengruß aus der Hölle

24. März 2017, 17:00
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Die Chronik eines angekündigten Nervenzusammenbruches, sobald die Saison der Sonne zum Kuss bereitgestellte Oberarme und Freibäderqualen andeutet

Manchmal ist die Winterflaute so derb, dass nicht einmal das Versprechen eines möglichen Frühlings sie vertreiben kann. Wir können nimmer.

Die strapazierte Haut bietet die haptische Erfahrung vollreifer Salamanderschuppen. Manche beginnen zu haaren wie ein überfälliges Wolfsrudel in der Taiga. Die Geduld, erste Sonnenstrahlen zu erwarten, ist ab Mitte Jänner eines natürlichen Todes gestorben.

Weihnachten hat großherzig viel Nächstenliebe und eine Spatzentaille geschenkt, die man in der gnadenlos der Völlerei folgenden Ballsaison fluchend in atemberaubende Roben quetschen musste.

Danach folgte Fasching. Eine gute Gelegenheit zur Erholung, weil man trotz Krapfenalarms wieder gut Luft holen konnte, indem man genderneutral als Gespenst verkleidet ging. Oder als halbierte Avocado. Oder als Schwangere/r. Und das war auch schon der Höhepunkt der guten Hoffnung.

Und nun? Fastenzeit. Rollmöpse und Entsagung. Zur Enthaltsamkeit kommt die immer noch früh einbrechende Dunkelheit, aber die Kerzen und ihr scheinheiliges Licht kann man bald nimmer ertragen. Vor allem die mit weihnachtlicher Parfümierung.

Aber wenn man hinausstrebt: Schlamm im Park. Und die Chronik eines angekündigten Nervenzusammenbruches, sobald die Saison der Sonne zum Kuss bereitgestellte Oberarme, Kniefreiheit und Freibäderqualen andeutet.

Die Gewissheit der kommenden hellen Tage muss dennoch täglich heraufbeschworen werden als rettendes Mantra. Die Spaziergänge im leider doch noch nicht Grünen geraten zu Detektivarbeit. Es ist noch nicht Ostern, aber man kann schon die ersten sprossenden Blättchen suchen! Abgesehen davon: Wir haben Glück! Jetzt kommt die Sommerzeit! Und wir müssen als gerupftes Huhn noch früher aus den Federn. (Julya Rabinowich, 24.3.2017)

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