Fünf Dinge, die man über den Aufschwung der Wirtschaft wissen sollte

24. März 2017, 18:15
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Die Auftragslage für Firmen ist gut, der Export läuft, mehr Mitarbeiter werden eingestellt

Wien – 2017 ist bislang ein gutes Jahr für die österreichische Wirtschaft. Wenn es so weitergeht, könnte es das beste seit sechs Jahren werden, sagen das Wifo und das Institut für Höhere Studien (IHS) voraus. Die Stimmung hat sich in den vergangenen Monaten deutlich aufgehellt, die Arbeitslosigkeit könnte heuer zum ersten Mal seit 2011 wieder sinken. Der Aufschwung in fünf Punkten:

Die Wirtschaft läuft rund. Die Firmen investieren mehr, die Exporte laufen an, und auch die Haushalte geben mehr Geld aus. Die Stimmung hat sich deutlich gebessert. Das Wifo hat seine Prognose für das heurige Wirtschaftswachstum auf zwei Prozent erhöht. Das wäre das höchste Wachstum seit 2011. Das IHS ist mit 1,7 Prozent etwas vorsichtiger.

Setze sich die positive Entwicklung der vergangenen Monate aber fort, seien die zwei Prozent durchaus realistisch, sagt IHS-Chef Martin Kocher bei der Präsentation der Zahlen. "Das ist keine Erholung, sondern ein Aufschwung", so Wifo-Chef Christoph Badelt zur guten Entwicklung der Wirtschaft. Dass sich die Lage in den USA, in Europa und in Asien zeitgleich bessert, hilft der Exportnation Österreich sehr.

In den vergangenen Jahren wurde in Medien und Politik viel darüber diskutiert, warum die österreichische Wirtschaft so schwach wächst. Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl konstatierte gar ein "Absandeln" des Landes. Österreich ist vier Jahre lang nicht stärker als ein Prozent im Jahr gewachsen. Damit scheint jetzt Schluss zu sein. Das Land könnte heuer wieder stärker wachsen als der Rest der Eurozone, vielleicht sogar schneller als Deutschland, so Kocher. "Abgesandelt waren wir nie", sagt Badelt.

Die Inflation war in den vergangenen Jahren hierzulande immer deutlich höher als in Deutschland oder im Rest Europas. Woran das genau liegt, können selbst Experten nicht genau sagen. Jedenfalls hat der Staat die Gebühren stärker erhöht als anderswo, und der Wettbewerb im Handel ist weniger scharf. Die OECD hat Österreich immer wieder für zu starre Regulierungen kritisiert.

Der "Österreich-Aufschlag" soll jetzt deutlich zurückgehen, heuer schrumpft er laut dem Institut für Höhere Studien auf 0,4 Prozentpunkte. Im Vorjahr war er noch doppelt so hoch, 2014 sogar dreimal so hoch. Lebensmittel steigen seit einiger Zeit langsamer im Preis, die Österreicher geben auch weniger für Treibstoffe aus als andere Europäer, bei denen die Teuerung gerade hoch ist. Bei Dienstleistungen wie der Gastronomie steigen die Preise hierzulande aber nach wie vor deutlich stärker.

Heuer dürften deutlich weniger Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt drängen als bisher erwartet. Wenn ein Flüchtling einen positiven Bescheid erhält und ein Deutschniveau von A2 erreicht, kommt er in Österreich offiziell in den Jobmarkt, das heißt in der Regel: Er meldet sich beim AMS arbeitslos. Das Wifo hat bislang mit 19.000 Flüchtlingen gerechnet. Jetzt wurde diese Annahme auf 8.000 hinuntergeschraubt.

Das entlastet den Arbeitsmarkt in der Prognose etwas, ist aber ein schlechtes Zeichen: Der Fortschritt bei den Verfahren und Kursen ist geringer als erwartet. Wenn die zwei Prozent Wachstum eintreten, dann geht heuer insgesamt aber die Arbeitslosigkeit das erste Mal seit 2011 wieder zurück, von 9,1 auf 8,9 Prozent, so das Wifo. Das sei aber keine Trendwende, sagt Christoph Badelt, denn der Rückgang dürfte ein Einzelfall bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf hohem Niveau stagnieren.

Die Wirtschaft läuft also besser. Und nun? "Die Frage ist, was machen wir mit dem Aufschwung", sagt Badelt. "Oder eher, was machen wir nicht?" Österreich sei nach wie vor nicht optimal für die Zukunft aufgestellt, der Aufschwung könne es einfacher machen, schwierige Reformen durchzubringen. Es brauche eine Abgabenreform, weniger Regulierungen, eine Stärkung des Standorts und eine bessere Bildungspolitik. (Andreas Sator, 24.3.2017)

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