Zwei bis drei Österreicher sterben täglich durch Passivrauchen

24. März 2017, 12:00
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Die Verbindung Acrolein hemmt die Immunabwehr und kurbelt das Tumorwachstum an. Forscher der MedUni Wien warnen: Acrolein kann auch über Haut aufgenommen werden

Allein in Österreich sterben zwei bis drei Personen täglich als Folge des Passivrauchens. Forscher der MedUni Wien und vom Messerli Forschungsinstitut haben in einer aktuellen Studie in "Scientific Reports" die organische Verbindung Acrolein (Acrylaldehyd) erstmals als eine der Hauptursachen für das Versagen der Immunabwehr gegen Tumore durch Passivrauchen identifiziert.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beziffert die weltweiten Todesfälle durch Passivrauchen pro Jahr auf 600.000. Acrolein wird über den sogenannten Seitenstromrauch beim Rauchen an die Umwelt weitergegeben.

"Jeder, der schon einmal in einem verqualmten Lokal gesessen ist, hat das eingeatmet", sagen Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim und Erstautorin Franziska Roth-Walter vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien und vom interuniversitären Messerli-Forschungsinstitut. "Aber was uns mehr Sorgen macht, ist dauernde berufliche Belastung in Raucherlokalen sowie besonders jene von Kindern und Familienangehörigen in der privaten Raucherwohnung oder im Auto, wo oft auch Haustiere belastet sind."

Tumor wächst schneller

Acrolein ist toxisch und schädigt die Erbsubstanz. Es hemmt jedoch auch unsere natürliche Immunantwort über die regulatorischen T-Zellen. Dadurch wird das Tumorwachstum angekurbelt. Bisher war nicht bekannt, dass Acrolein die Immunantwort unterdrücken kann und regelrecht immunsupprimierend wirkt – nicht nur während des Rauchens bzw. Passivrauchens selbst, sondern auch danach.

Acrolein entsteht auch wenn pflanzliche oder tierische Fette zu heiß verbrannt werden, etwa beim Kochen oder Frittieren. Aber auch beim Verbrennen von Druckertinte, Biodiesel oder Wachs wird Acrolein freigesetzt. So tritt der typische Acroleingeruch unmittelbar nach dem Erlöschen einer Kerze auf.

Kein Kontakt

"Dabei ist nicht nur das Einatmen relevant", betonte Jensen-Jarolim. "Acrolein kann sich überall anheften, etwa an Tischplatten, an der Kleidung und an Vorhängen, und kann so auch noch wesentlich später zum Beispiel über die Haut aufgenommen werden. Vor allem im privaten Raum müssen daher Kinder und insbesondere Schwangere vor dem Passivrauchen noch mehr geschützt werden – und das geht nur durch die totale Verhinderung des Kontakts mit Zigarettenrauch und dessen Rückständen."

Einen sehr geringen, positiven Effekt von Acrolein im Immunsystem konnten die Forscher ebenfalls im Tiermodell feststellen: Durch die Unterdrückung der Immunantwort sind Raucher weniger anfällig gegen Allergien. Daher wurde Acrolein in der Studie auch als "janusköpfig", also eine Substanz "mit zwei Gesichtern", bezeichnet. (APA, 24.3.2017)

  • Die Belastung von Kindern in privaten Raucherwohnungen macht den Wissenschaftlern Sorgen. Passivrauch kann nicht nur durch Einatmen, sondern auch über die Haut aufgenommen werden.
    foto: reuters

    Die Belastung von Kindern in privaten Raucherwohnungen macht den Wissenschaftlern Sorgen. Passivrauch kann nicht nur durch Einatmen, sondern auch über die Haut aufgenommen werden.

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