Todesursache von Häftling bekannt: Ermittlungen gegen Justizanstalt Hirtenberg

24. März 2017, 11:53
11 Postings

55-Jähriger starb an Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ob er zuvor sorgfaltskonform behandelt wurde, wird jetzt geprüft

Wien/Hirtenberg – Nun steht fest, was zum Tod eines 55-jährigen Häftlings der Justizanstalt (JA) Hirtenberg geführt hat, der am 6. Dezember 2016 in einem Wiener Spital gestorben ist. Der Gerichtsmediziner Christian Reiter kommt in seinem Gutachten zum Schluss, dass eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung Grund für den Tod gewesen ist.

Reiter findet in seiner Expertise "bei derzeitigem Aktenstand keine Anhaltspunkte für ein fremdes Verschulden am Tod des Mannes". Seit Anfang März liegt der Bericht der Staatsanwaltschaft Wien vor, wo ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung anhängig ist. Allerdings fordert Reiter die Beiziehung eines weiteren Sachverständigen, zumal der 55-Jährige im Gefängnis seit längerem über starke Bauchschmerzen geklagt haben soll. "Ob die medizinische Betreuung in der JA Hirtenberg bzw. in den nachfolgenden medizinischen Einrichtungen sorgfaltskonform war und ob die Bauchspeicheldrüsenentzündung vorhersehbar und abwendbar war, muss ergänzend einem Sachverständigen für Chirurgie unter Heranziehung der jeweiligen Krankenunterlagen übertragen werden", betont Reiter in seinem Gutachten.

Anwalt beantragt weiteres Gutachten

Mirsad Musliu, der Anwalt der Hinterbliebenen, die sich dem gegen derzeit unbekannte Täter geführten Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen haben, hat bereits die Einholung eines chirurgischen Gutachtens beantragt. Außerdem will er mehrere Häftlinge der JA Hirtenberg vernehmen lassen. "Die haben alle mitbekommen, unter welchen Schmerzen der Mann im Gefängnis gelitten hat", so Musliu. Der 55-Jährige habe zunächst nur Schmerzmittel und Infusionen bekommen und sei nicht rechtzeitig lege artis behandelt worden. Die Generaldirektion für den Strafvollzug hat diesen Vorwurf bereits Ende Februar zurückgewiesen.

Der Häftling war am 1. Dezember 2016 zur operativen Behebung eines Hodenbruchs in ein Wiener Spital überstellt worden. Am 2. Dezember verschlechterte sich kurz vor dem geplanten Eingriff plötzlich sein Gesundheitszustand, er musste reanimiert und auf die Intensivstation verlegt werden, wo ein Venenkatheter gesetzt wurde. Nach einer Stoffwechselentgleisung zeigten sich erhöhte Leber- und Pankreaswerte, eine Computertomographie wies schließlich eine ausgeprägte Bauchspeicheldrüsenentzündung nach. Am Morgen des 6. Dezember trat der Herz-Kreislaufstillstand ein.

Was die Bauchspeicheldrüsenentzündung ausgelöst hat und inwieweit dabei eine vorbestehende Erkrankung der Leber eine Rolle gespielt hat, konnte die gerichtliche Obduktion nicht klären. Gerichtsmediziner Reiter fand jedenfalls keine Hinweise, dass die Bauchspeicheldrüsenentzündung "schon längere Zeit bestanden hat". Überdies hält Reiter in seinem Gutachten fest: "Die chronische Lebererkrankung kann mit Oberbauchschmerzen verbunden gewesen sein." (APA, 24.3.2017)

  • Ein weiteres Gutachten soll klären, ob der verstorbene Häftling in der Justizanstalt hätte gerettet werden können.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Ein weiteres Gutachten soll klären, ob der verstorbene Häftling in der Justizanstalt hätte gerettet werden können.

Share if you care.