Dubioser Gasanbieter sorgt mit Hitler-Werbung im Netz für Aufregung

25. März 2017, 07:54
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DÖW: "Verhöhnung der Opfer" – Firma war Vertriebspartner eines steirischen Energieanbieters

Der steirischer Gas- und Stromanbieter Energiegewin warb auf Twitter mit einem Bild von Adolf Hitler und dem Text "... den Gaspreisen den totalen Krieg" um Kunden. Die Werbung war rund einen Tag online und hat für Aufregung und scharfe Proteste ("Seids ihr vollkommen deppert, ihr Vollidioten?!") auf der Kurzmitteilungsplattform gesorgt. Am frühen Freitagabend wurde der Twitter-Zugang schließlich gelöscht. In er Stellungnahme betont Energiegewin, dass man sich "jeder Form von diesem Inhalt distanziere und es in keiner Weise unsere Werbelinie entspricht." Der Tweet wurde von einem Mitarbeiter verbreitet.

Der Tweet wurde am 23. März veröffentlicht.

Für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) "stellt das Sujet eine an Geschmacklosigkeit schwer zu überbietende Verhöhnung der Millionen Opfer der nationalsozialistischen Kriegs- und Vernichtungspolitik dar", wie ein Mitarbeiter dem STANDARD sagte. Ein Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz dürfte allerdings mit dem Werbetweet nicht vorliegen.

Nach STANDARD-Informationen steht hinter Energiegewin ein selbständiger Vertriebspartner eines Gas- und Stromanbietern mit Sitz in Graz, der – nach Erscheinen der ersten Medienberichte am Freitag– die Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner kündigte und sich auch von den Tweet distanziert. Auch hält man sich rechtliche Schritte vor.

Seriosität der Firma

Der Vice-Journalist Christoph Schattleitner hat seine Recherchen zu der Causa in einem Tweet zusammengefasst: Er stellt einen "Scam" in den Raum. Tatsächlich dürfte der Vertriebsmitarbeiter einige Internet-Domains und Twitter-Accounts angelegt haben, um so Gas und Strom über das Netz zu vertreiben.

Wein und Chips

Hitler taucht weltweit immer wieder als Marken- und Werbebotschafter auf. So setzen italienische Winzer und thailändische Kartoffelchipshersteller auf den Nazi-Anführer. Für einen philippinischen Mobilfunker warb Hitler mit einem Mobiltelefon in der Hand, während das Produkt als "Endlösung" in der Telekomtechnik bezeichnet wurde. Im Netz taucht er seit Jahren immer wieder als Meme auf – und findet sich damit nicht nur auf einschlägigen Neonaziseiten wieder. (sum, 24.3.2017)

Update 17:11: Der Artikel wurde mit neuen Informationen ergänzt.

Update 18:05: Der Twitter-Account wurde gelöscht.

Update 25.3. 7:53: Mit der Stellungnahme von Energiegewin ergänzt.

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DÖW

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