Grüne Erde stellte zehn Millionen Euro durch Crowdfunding auf

24. März 2017, 10:49
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1.500 Privatpersonen haben sich an Modell beteiligt – "Von den Restriktionen der Banken nicht mehr beeinträchtigt"

Scharnstein – Die oberösterreichische Öko-Firma Grüne Erde mit Sitz in Scharnstein (Bezirk Gmunden) hat mit ihrem Crowdfunding-Projekt die Zehn-Millionen-Euro-Grenze geknackt. Mehr als 1.500 Privatpersonen haben dem Unternehmen seit Mai 2013 Geld in Form von nachrangigen Darlehen zur Verfügung gestellt, teilte Grüne Erde am Freitag mit.

Laut Unternehmensangaben soll es das bisher erfolgreichste Crowdfunding-Projekt in Österreich sein. Weil es nach der Wirtschaftskrise 2008/09 und durch Basel III immer schwieriger geworden sei, von den Banken Geld für Investitionen zu bekommen, und man sich nicht auf "indiskutable" Vorschläge wie eine Verpfändung der Marke oder den Verkauf von Anteilen an internationale Investmentfonds einlassen wollte, habe man sich für das Crowdfunding-Projekt entschieden, begründet der Möbel- und Textilhersteller den Schritt. Im Mai 2013 wurde begonnen, Kunden um Darlehen zu bitten und der Erfolg habe die Erwartungen "weit übertroffen", hieß es in einer Aussendung.

Die Finanzierung erfolgt über qualifiziert nachrangige Darlehen. Geldgeber können zwischen einer jährlichen Verzinsung von 4 Prozent, die in Warengutscheinen ausbezahlt wird, oder einer dreiprozentigen Verzinsung, die bar abgegolten wird, wählen. Die Bandbreite der Beträge liegt laut Unternehmen zwischen 2.000 und 50.000 Euro. Mehr wolle man auch nicht, da doch ein gewisses Restrisiko bestehe, so Sprecher Bernhard Lichtenberger. Es werden aber nach wie vor Kunden gesucht, die sich am Crowdfunding beteiligen.

Eigenkapitalanteil erhöht

Durch das Beteiligungsmodell konnte Grüne Erde seinen konsolidierten Eigenkapitalanteil von gut drei Millionen im Geschäftsjahr 2012/13 auf nunmehr 13,45 Millionen Euro steigern und alle herkömmlichen Bankkredite vollständig zurückzahlen, offen sind nur mehr geförderte Kredite. Die Verbindlichkeiten hatten vor dem Projekt 2012/13 rund neun Millionen Euro betragen, mittlerweile ist man auf eine Million heruntergekommen.

"Durch Crowdfunding sind wir von den Restriktionen der Banken nicht mehr beeinträchtigt, sondern können darauf schauen, was an Investitionen notwendig und sinnvoll ist", betonen die geschäftsführenden Gesellschafter Reinhard Kepplinger und Kuno Haas. Unter anderem wurde eine Fotovoltaikanlage in der Tischlerei in Kärnten mittels Crowdfunding finanziert. In Oberösterreich steht ein größeres Projekt an, zu dessen Details man sich zwar noch in Schweigen hüllt, das aber ebenso über Schwarmfinanzierung realisiert werden soll.

Grüne Erde steigerte den Umsatz zuletzt von 39,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2014/15 auf 43,7 Millionen 2015/16 und den Ertrag von 956.000 auf 1,88 Millionen. (APA, 24.3.2017)

  • Insgesamt 1.500 Personen haben Geld für die Kapitalspritze für Grüne Erde beigesteuert.
    matthias cremer

    Insgesamt 1.500 Personen haben Geld für die Kapitalspritze für Grüne Erde beigesteuert.

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