In Rom sind die Wildschweine los

    24. März 2017, 09:00
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    Ein Unfall endete zuletzt tödlich für einen Menschen. Die Stadtregierung zeigt sich angesichts der Plage hilflos

    Der Unfall ereignete sich vergangene Woche: Ein Motorradfahrer stieß auf der römischen Via Cassia mit einem Wildschwein zusammen. Das Tier war unvermittelt auf die Straße gerannt; der 49-jährige Lenker stürzte und erlag im Spital seinen schweren Verletzungen. Bereits Anfang März hatte ein Autofahrer auf einer stark befahrenen Straße nahe des Vatikans ein Wildschwein gefilmt, das in heller Panik vor dem Verkehr zu fliehen versuchte. In diesem Fall war zum Glück niemand zu Schaden gekommen.

    Diese Zwischenfälle haben den Römern ein Problem vor Augen geführt, das nicht neu ist, sich zuletzt aber zugespitzt hat: Die Ewige Stadt ist vor allem in den Außenquartieren im Norden und Nordosten mit einer Wildschweinplage konfrontiert. Konkrete Erhebungen zum Bestand gibt es nicht, aber die unzähligen Videos und Fotos von Wildschweinen, die in sozialen Medien veröffentlicht wurden, lassen auf eine explosionsartige Vermehrung schließen. Die Stadtregierung hat die Situation als "kritisch" bezeichnet.

    Wildschweine "auf keinen Fall reizen"

    Die Behörden wirken etwas hilflos. Eine Abschusskampagne kommt aus politischen Gründen nicht infrage: Die Protestbewegung von Beppe Grillo, der Stadtpräsidentin Virginia Raggi angehört, hat sich den Tierschutz auf die Fahne geschrieben. Laut nachgedacht wird deshalb über die Sterilisierung der Tiere durch Injektion eines Medikaments. Wie man sich das konkret vorstellen soll, vermochten die Behörden aber noch nicht zu erklären. Und so empfehlen sie erst einmal, "sich von Wildschweinen fernzuhalten" und sie im Fall einer Begegnung "auf keinen Fall zu reizen".

    Für die Opposition ist das ein gefundenes Fressen. Die römische Sektion des sozialdemokratischen PD fragt sich, wie es möglich sei, dass man in einer Großstadt wie Rom wegen eines Wildschweins zu Tode kommen könne. Für die Umwelt- und Konsumentenschutzorganisation Codacons ist der Unfall "der Beweis dafür, dass die Stadt vollkommen verwahrlost ist": Weil der Müll nur unregelmäßig und manchmal gar nicht weggeführt werde, übe Rom eine magische Anziehungskraft auf die Wildschweine aus. Codacons hat gegen die Stadtregierung eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet. (Dominik Straub aus Rom, 24.3.2017)

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      Rom hat mit einer Wildschweinplage zu kämpfen. (Symbolbild)

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