"Einfach alltäglich": Familienaufstellung des Alltags

    23. März 2017, 16:14
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    Das aut. architektur und tirol zeigt anhand von 154 Objekten und Kommentaren ihrer Besitzer die geniale Einfachheit des Alltäglichen

    Innsbruck – Täglich werden uns zahllose neue Dinge als unverzichtbare Verbesserer unseres Alltags angepriesen und als Fetische eines Lebensgefühls verkauft. Welche Gegenstände sind es aber tatsächlich, die alle Moden überstehen und unseren Lebensalltag durch ihre funktionale, gestalterische oder persönliche Bedeutung langfristig bereichern?

    Auf Einladung des aut. architektur und tirol haben sich 134 Architekten, Designerinnen und Künstler aus dem aut-Programm der letzten zehn Jahre diese Frage gestellt und sie für die Ausstellung Einfach alltäglich. Über Gegenstände und ihre Geschichten mittels eines Objekts beantwortet. Und erstaunlich, unter den 154 Beiträgen findet sich kein einziges smartes elektronisches Gerät und kaum ein bekanntes Designobjekt.

    Stattdessen ein Nylonsackerl, eine Espressotasse, ein Legostein, Maßbänder, Skizzenbücher und Küchenmesser. Ein Weinglas, eine 16-mm-Kamera, Klebeband, Gummistiefel und eine alte Uhr. Auch ein Fahrrad, ein Schweißgerät und ein Küchenhocker.

    Einfach raffiniert

    Gemeinsam ist allen Gegenständen, dass die genial einfach oder raffiniert funktional sind, den Wirren des Alltags standhalten, als perfekte Provisorien ihren Dienst tun oder in ihrer Skurrilität ans Herz gewachsen sind. Dinge, die jemand mit Bedacht gestaltet hat, ohne einen Designpreis anzustreben.

    Auf großen Tischen ausgelegt wirken sie wie eine sorgsam arrangierte Schmetterlingssammlung und sind ein wenig auch das Psychogramm ihrer Besitzer. Das erschließt sich besonders in den persönlich beigelegten Texten, die von Kurznotizen wie "spontane Zuneigung" bis zu mehrseitigen Analysen reichen.

    Dort erfährt man etwa, dass das Maßband Hermann Czechs stetiger Begleiter bei der Vermessung von Treppen in aller Welt ist, die Uhr Stefan Sagmeisters Vater gehörte und erst über Umwege zum Sohn gelangte oder die Kamera von Filmemacher Armin Linke einst von Jean-Luc Godard zusammen mit einem Ingenieur entwickelt wurde. (Nicola Weber, 23.3.2017)

    • Es ist das scheinbar Banale und dennoch Ästhetische, das nachhaltig bereichert.
      foto: aut. architektur und tirol

      Es ist das scheinbar Banale und dennoch Ästhetische, das nachhaltig bereichert.


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