Schutz des Ortsbildes ist in Vorarlberg nachrangig

24. März 2017, 06:00
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Vorarlberg hat kein Gesetz zum Schutz des Ortsbilds. Alte Bausubstanz ist dadurch gefährdet

Röthis – Wenn Grundstücke knapp und teuer sind, beides ist in Vorarlberg der Fall, ist alte Bausubstanz besonders gefährdet. In Röthis (Bezirk Feldkirch), einer der kleinsten Gemeinden des Landes, soll nun das alte Gasthaus Torggel neben der Kirche einer Wohnanlage weichen.Die Renovierung erscheint dem Investor nicht wirtschaftlich.

Eine Initiative versucht nun, mit einer Unterschriftenaktion den "Torggel" und damit das Ensemble rund um die Pfarrkirche zu retten. 200 Menschen der Kleingemeinde wandten sich an die Gemeindevertretung. Sie schlagen vor, das Haus, dessen historischer Kern, der Torkel (Weinpresse) aus dem 18. Jahrhundert stammt, als schützenswert einzustufen und damit den Abbruch zu verhindern.

Alte Weinbautradition

Die Initiative führt für die Erhaltung des Gebäudes dessen Wichtigkeit für das Ensemble im Zentrum und auch als Erinnerung an die Weinbautradition des Dorfes ins Treffen.

In Vorarlberg, wo es im Gegensatz zum Nachbarland Tirol kein Ortsbildschutzgesetz gibt, haben Bürgerinnen und Bürger wenig Möglichkeiten, die Erhaltung historischer Bauten durchzusetzen.

Ein einziger Paragraf im Baugesetz ist dem Schutz des Ortsbildes gewidmet. Die Gemeinde könnte den Abriss historischer Bausubstanz nach Baugesetz verhindern, würde der Abriss die Charakteristik des Orts- oder Landschaftsbild erheblich gefährden. Das müsste durch Gutachten nachgewiesen werden. Das Prozedere ist den meisten Gemeinden zu mühsam.

Der Paragraf wird deshalb selten bis gar nicht angewendet, meist bewerten Gemeinden Investoreninteressen höher als historische Bausubstanz. (Jutta Berger, 24.3.2017)

  • Der Torggel in Röthis erinnert an die Weinbautradition des Vorarlberger Dorfes
    foto: privat

    Der Torggel in Röthis erinnert an die Weinbautradition des Vorarlberger Dorfes

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