Ex-VKI-Jurist will geschädigte Verbraucher "gegen Goliath" vertreten

23. März 2017, 14:28
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Die neue Plattform "Cobin Claims" soll dabei helfen, Klagen gegen Unternehmen einzubringen oder Vergleiche zu erreichen

Wien – Cobin Claims, so der Name des neu gegründeten gemeinnützigen Vereins, will bei Massenschäden die Ansprüche Betroffener sammeln, Klagen einbringen oder Vergleiche erreichen. Der Verein richtet sich an Verbraucher, Kleinunternehmen und Investoren.

Mitbegründer Peter Kolba, einst Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), meint mit Blick auf den Dieselskandal bei Volkswagen: "VW bietet in den USA 20 Milliarden Euro Schadenersatzzahlungen an, in Europa sollen die Kunden leer ausgehen." In Europa herrsche das Prinzip, dass sich Unrecht lohne, so seine Conclusio. Es gebe keine einheitlichen Regelungen, wenn überhaupt, dann einen Fleckerlteppich, der nicht mehr als eine Krücke sein könne.

Dieser Missstand soll nun durch eine "Art Selbsthilfegruppe", wie Kolba es nennt, unabhängig von staatlicher Hilfe und Einflussnahme beseitigt werden. Die Ansprüche würden dazu von Cobin Claims erfasst, rechtlich geprüft und kategorisiert. Dadurch sollen Synergieeffekte erzielt werden, die die Anspruchsverfolgung einzelner Betroffener überhaupt erst möglich machen.

"Europäische Sammelklage" als Ziel

Mit an Bord sind eine erkleckliche Zahl renommierter Anwälte, Sachverständiger und Prozessfinanzierer. Aber auch auf die Rechtspolitik will der Verein Einfluss nehmen mit dem Ziel, effektive Instrumente zur Durchsetzung einer "europäischen Sammelklage" zu schaffen. "Viele Davids können stärker sein als ein Goliath."

Cobin Claims will überall dort ansetzen, wo es ein Machtgefälle gibt. Die Geschädigten sollen kein Kostenrisiko haben, das würden, so der Plan, Prozesskostenfinanzierer übernehmen. Ebenfalls im Team ist Anlegerschützer Wilhelm Rasinger. Auch er betont, dem Kläger dürfe kein Kostenrisiko entstehen. Im Fall Meinl, so Rasinger, seien viele geschädigte Anleger nicht vor Gericht gegangen, weil ihnen die Kosten zu hoch gewesen seien. Mitgliedsbeiträge in moderater Höhe von 50 bis 150 Euro seien für Cobin Claims denkbar.

Mittelfristiges Ziel ist die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung. Dar Startkapital von 50.000 Euro sowie die Kosten einer Web-Plattform zur Sammlung von Ansprüchen in Höhe von 11.000 Euro sollen von der Zivilgesellschaft in den nächsten neunzig Tagen über Crowdfunding aufgebracht werden. Spender werden unter startnext.com/cobinclaims gesucht. Wird das Ziel nicht erreicht, bekommen die Spender ihr Geld rückerstattet. Anderenfalls sollen ab September die ersten Sammelklagen möglich sein. (red, 23.3.2017)

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