Himmel, Geld und Götter: Was man diese Woche schauen muss

25. März 2017, 10:00
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"Tote Teenager lügen nicht", "The Discovery", "Taboo", "Der gleiche Himmel"

Eine Serie ist nicht automatisch gut, nur weil sie aus der Werkstatt von Streamingportalen kommt. Amazon zum Beispiel hat mit seiner ersten deutschen Serie "You Are Wanted" trotz Matthias Schweighöfer dem Genre Hackerserie eher nichts hinzuzufügen. Ausgelutschte Klischees, unlogische Wendungen, enervierende Dauerbeschallung – groß waren die Erwartungen, groß ist die Enttäuschung. "Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt", sagte Wilhelm Busch. Eine Empfehlung übrigens bei Langeweile mit "You Are Wanted".

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Auch in der "Charité" ist seit vergangenen Dienstag nicht viel los, das romantisierende Treiben im Berliner Traditionshaus kann sich nicht entscheiden, wo es hinwill: "Schwarzwaldklinik" trifft "Call the Midwife" trifft "Downton Abbey" trifft "The Knick" – entscheiden Sie selbst, ob sich das ausgeht.

Umso erfreulich die Aussichten: Die TV-Woche startet mit einem herzeigbaren Produkt deutscher Herkunft. Am Montag breitet das ZDF im Dreiteiler "Der gleiche Himmel" von Oliver Hirschbiegel die ganze Pracht der Niedertracht im spionageverrückten Deutschland der 1970er-Jahre aus. Tom Schilling brät als linientreuer Agent im Auftrag der Stasi eine NSA-Sekretärin in Westberlin an, um ihr in vorgetäuschter Verliebtheit geheime Informationen zu entlocken.

Das Gute daran: Die sorgfältige Ausstattung verkommt nicht zur Kulisse für Schwächen in der Handlung. Wer mit Ostdeutschland in Film und Fernsehen vor allem gut geölte Retrokomödien verbindet, muss hier mit Ernüchterung rechnen. Schauspielerisch eine Freude (Sofia Helin, Ben Becker, Jörg Schüttauf, Hannes Wegener, Anja Kling), gleichzeitig schockierend, wie weit die Paranoia des Kalten Krieges auf beiden Seiten gedieh. Echt ein Tipp!

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Rauchen dürfen im Film und Fernsehen eher nur noch Bösewichte, nicht dass es zu befürworten wäre, aber dass Bibiana Beglau in "Über Barbarossaplatz" am Dienstag um 22.45 in der ARD den Tschick kaum aus den Fingern lässt, hebt sich irgendwie wohltuend von mainstreamiger Korrektheit ab.

Das zieht sich weiter: Hannah Hollinger (Buch) und Jan Bonny (Regie) lassen das Weltbild der Kölner Psychotherapeuten Greta und Benjamin (Joachim Król) gewaltig wanken. Sie verarbeitet den Selbstmord ihres Mannes und sucht ihn auf. Beide haben einiges zu verbergen. Reden hilft nicht immer.

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Mutmaßungen, warum David Schalko mit "Altes Geld" nicht den Geschmack der Masse fand, gab es von allen Seiten: zu manieriert, zu wenig Identifikationsfiguren, zu selbstverliebt. Aus der Distanz sieht man vielleicht manches gnädiger. Wer sich überzeugen will, dass die Serie mit den stinkreichen Ungustln besser ist als ihr Ruf, hat am Mittwoch Gelegenheit dazu: 21.45 Uhr auf One.

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Der Donnerstag ist reserviert für "Inas Nacht". Ihre Gäste müssen Bierdeckelfragen beantworten, meistens hat trotzdem die Gastgeberin das letzte Wort, es sei denn, Nina Hagen sitzt wie zuletzt auf dem Barhocker.

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Freitag ist Streamingtag: Netflix stellt "The Discovery" zum Abruf bereit. Robert Redford, Rooney Mara und Jason Segal folgen einer faszinierenden These.

Wie würde sich das Verhalten der Menschen verändern, wenn sie sicher wüssten, dass es ein Leben nach dem Tode gibt?

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In "Tote Mädchen lügen nicht" ("13 Reasons Why") dokumentiert die Schülerin Hannah Baker, was sie dazu veranlasste, sich das Leben zu nehmen. Auf 13 Kassetten an 13 Menschen, die dazu beitrugen. Nur so viel: Soziale Medien spielen auch eine gewisse Rolle. Es dauert ein wenig, bis die Geschichte in die Gänge kommt, aber dann.

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Wie einem Buch von Edgar Allen Poe entsprungen wirkt "Taboo", Tom Hardy und Ridley Scott zauberten für den US-Sender FX ein viktorianisches Schauerepos herbei, bei dem bestimmt nicht nur Schweineköpfe ausbluten müssen.

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Was noch? Gefreut habe ich mich über den Trailer von "American God" – wegen der blitzblanken Optik, vor allem aber über das Wiedersehen mit Cloris Leachman, unvergessen als pestige Großmutter von "Malcolm in the Middle".

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Im 91. Lebensjahr verstärkt sie den Trupp um Ian McShane und Ricky Whittle, auf Amazon ab 1. Mai. Mehr demnächst hier. (Doris Priesching, 25.3.2017)

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