Studie: Games können Sexismus fördern, aber weniger als Religion

23. März 2017, 12:21
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Erste breitangelegte Untersuchung analysierte Verhalten von 13.520 französischen Jugendlichen

Je mehr Zeit Teenager mit Videospielen verbringen, desto eher neigen sie dazu, sexistisches Verhalten und geschlechtsspezifische Stereotype zu zeigen. Das behauptet zumindest eine neue Studie, die in Frankreich an 13.520 männlichen und weiblichen Jugendlichen im Alter von elf bis 19 Jahren durchgeführt wurde.

"Sexistische Darstellungen prägen die Werbung, das Fernsehen und Kinofilme. Videospiele machen hier keine Ausnahme", sagte Laurent Begue, Mitautor der Studie der Grenoble-Alps-Universität, der Nachrichtenagentur AFP. Videospiele hätten dabei mehr Einfluss auf Jugendliche als etwa Fernsehen, allerdings würde beispielsweise Religion Sexismus noch stärker fördern.

Frauen und Männer betroffen

Die Studie, die zusammen mit Forschern der Universitäten Savoie Mont Blanc und Iowa State durchgeführt wurde, kommt zu dem Schluss, dass Sexismus unter den männlichen Teilnehmern, die 51 Prozent der untersuchten Zielgruppe ausmachten, zwar stärker ausgeprägt war, die weiblichen Jugendlichen von dem Phänomen aber nicht ausgenommen sind.

"Die Analyse hat gezeigt, dass Frauen in populären Videospielen unterrepräsentiert sind. Sie nehmen häufiger passive Rollen ein, sie sind Prinzessinnen, die gerettet werden müssen, oder sexualisierte Objekte, die es zu erobern gilt", so Begue. Männer bleiben von stereotypen Darstellungen jedoch ebenso nicht verschont. Sie werden häufig als "aktiver, bewaffneter und muskulös" dargestellt.

Nicht über einen Kamm scheren

Die Ergebnisse der Studie wurden Ende vergangener Woche in dem Magazin "Frontiers in Psychology" veröffentlicht. Vorangegangene Experimente zeigten bereits, dass das Spielen bestimmter Games sexistisches Verhalten verstärken kann, bei der neuen Untersuchung handelt es sich allerdings um die erste großangelegte Studie unter Jugendlichen.

Begue zufolge wäre es jedoch "nicht fair", Videospiele basierend auf diesen Erkenntnissen über einen Kamm zu scheren, da sich einerseits bei weitem nicht alle Werke bei Stereotypen bedienen und andererseits andere externe Faktoren wie Religion stärkeren Einfluss auf die Ausprägung von Sexismus haben könnten. Der Forscher ermahnt im Gespräch mit der AFP vor allem Entwickler von Blockbustern, darauf zu achten, ihre Charaktere nicht nach Stereotypen zu formen. (zw, 23.3.2017)

  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/oliver berg
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