ÖFB-Tormannfrage und ein enttäuschter Goalie

    23. März 2017, 11:05
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    Lukse ist angeschlagen, Lindner und Bachmann sind bei ihren Vereinen nicht gesetzt. Sandhausen-Stammgoalie Marco Knaller ist kein Thema und "enttäuscht"

    Wien – Die Besetzung der Torhüterposition galt dem ÖFB-Team lange Zeit nicht als größte Sorge. Mit der Verletzung von Robert Almer und dem Rücktritt von Ramazan Özcan wird die Sache aber komplizierter, zumal Altach-Tormann Andreas Lukse das Training am Mittwochvormittag im Ernst-Happel-Stadion auslassen musste, ihn plagt eine Magenverstimmung. Schon am Dienstag hatte der 29-Jährige ausgesetzt.

    Lukse wäre am Freitag im WM-Qualifikationsspiel gegen die Republik Moldau wohl die erste Option im Tor gewesen. Nun scheint Frankfurt-Reservist Heinz Lindner die besten Karten zu haben. Lindner steht seit Juli 2015 bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und hat für die Hessen bisher drei Pflichtspiele bestritten. Der dritte Mann, Daniel Bachmann, ist in England Torhüter der U23-Mannschaft von Stoke City und hat bisher kein einziges Spiel für die Kampfmannschaft bestritten.

    Stammgoalie in Sandhausen

    Kein Wunder also, dass so mancher Beobachter an Marco Knaller denkt. Der 29-Jährige ist seit zwei Jahren Stammkeeper beim deutschen Zweitligisten Sandhausen, spielte in 25 Saisonpartien achtmal zu null. Dass den sportlichen Zwerg Sandhausen mit Platz neun keine Abstiegssorgen plagen, daran hat Knaller großen Anteil. Für Teamchef Marcel Koller war der Sohn von Ex-Teamgoalie Wolfgang Knaller trotzdem keine Option: "Knaller war zehn Jahre lang kein Thema. Er wäre jetzt auch nicht als Nummer eins infrage gekommen."

    "Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich nicht nominiert wurde", sagt Marco Knaller zum STANDARD. "Aber mehr möchte ich zu diesem Thema nicht sagen. Ich kann ja nicht mehr tun, als mich mit Leistung zu empfehlen."

    Unverständnis in Deutschland

    Koller begründet seine Wahl auch damit, dass "Sandhausen in den letzten Wochen zurückgefallen ist". Für die "Rhein-Neckar-Zeitung" spricht diese Aussage von "wenig Sachverstand". Das regional dominierende Blatt formuliert es forsch: "Vielleicht sollte der Zweitligist dem Fußballlehrer einen Sky-Anschluss spendieren. Denn am Torwart lag es am allerwenigsten, dass die Sandhäuser seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen haben." Mit Unverständnis reagierte auch Sandhausens Trainer Kenan Kocak: "Ich bezweifle, ob der Kollege überhaupt weiß, wo Sandhausen liegt", wird Kocak zitiert.

    Für Vater Wolfgang, der 26-mal in den ÖFB-Teamkader berufen wurde, mehr als 700 Bundesligaspiele absolviert hat und derzeit als Tormanntrainer bei St. Pölten fungiert, ist die Nichtberücksichtigung seines Sohnes nicht nachvollziehbar. Der 55-jährige Kärntner erzählt von Nachwuchstorleuten, "die mich fragen, wie sie ins Nationalteam kommen können. Ich kann es ihnen aufgrund derartiger Entscheidungen nicht erklären. In erster Linie muss es aber das Ziel sein, über einen längeren Zeitraum in der Bundesliga oder in einer starken Liga im Ausland gut zu spielen."

    Vom "Sportinvaliden" zum Stammgoalie

    Nach Stationen bei der Admira und in Lustenau konnte Marco Knaller zu Beginn seiner Karriere in der Bundesliga nicht Fuß fassen. Anders lief es in Deutschland. In Kaiserslautern duellierte er sich mit dem damaligen DFB-U21-Keeper Kevin Trapp.

    Trapp schaffte es bis ins Tor von Paris Saint-German. Knaller wurde nach einer Ellbogenverletzung in Kaiserslautern als "Sportinvalide" aufs Abstellgleis geschoben. Nachdem er beim Wolfsberger AC keine Chance auf Einsätze bekommen hatte, fand er in Sandhausen wieder in die Spur. Wolfgang Knaller: "Er geht seinen Weg unbeirrt weiter, hat sich in Deutschland einen Namen gemacht. Es wäre schön, wenn seine Leistungen auch in Österreich Anerkennung finden würden." (Florian Vetter, 23.3.2017)

    • Marco Knaller im Dress des Wolfsberger AC, erst in der zweiten deutschen Liga fand er in die Spur.
      foto: apa/eggenberger

      Marco Knaller im Dress des Wolfsberger AC, erst in der zweiten deutschen Liga fand er in die Spur.

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