Teenagerfreundschaften: Freiheit für Jugendliche, Sorge für Eltern

Blog24. März 2017, 09:00
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Erziehungsberechtigte sind nicht immer mit dem sozialen Umgang ihrer Kinder einverstanden. Ein Verbot von Freundschaften ist aber kein Ausweg

Franziska (14) und ihre Freundin Melanie (13) besuchen die gleiche Schule. Beide Mädchen sind schon miteinander in die Volksschule gegangen. Melanies Mutter verbietet den Kontakt der beiden Mädchen außerhalb der Schule, seit sie die beiden Mädchen heimlich beim Rauchen erwischt hat.

Timo (17) und Harald (15) sind beste Freunde. Sie haben sich in einem Verein kennengelernt. Oft treffen sie treffen einander am Nachmittag, und auch am Wochenende unternehmen die beiden viel miteinander. Ihre Eltern haben sich noch nicht kennengelernt. Außerdem vermeidet es Harald, seinen Freund zu sich nach Hause einzuladen. Haralds Mutter Martha macht sich Sorgen, da ihr Sohn sich in letzter Zeit massiv verändert hat.

Nina und Valerie (12) sind Zwillinge. Die beiden Mädchen besuchen die gleiche Klasse. Bis jetzt sind sie immer gemeinsam zu Festen und Freunden eingeladen worden. Doch seit diesem Schuljahr kommt es immer öfter vor, dass die Mädchen getrennt voneinander etwas unternehmen. Das behagt den Eltern nicht so sehr, denn sie haben seither noch viel weniger Ahnung von den Freundinnen und Freunden ihrer Töchter.

Freundschaft und Identitätsfindung

Gerade in der Pubertät sind Freundschaften zur Identitätsfindung extrem wichtig. Freunde, die zusammen in die Schule gehen und mit denen viel Zeit verbracht wird, haben einen sehr hohen Stellenwert im Leben junger Mädchen und Burschen. So ist es meist die Peergroup, die die Meinung der Jugendlichen bildet, nicht mehr nur das Elternhaus.

Oft beklagen Eltern den Umgang ihrer Jugendlichen. Während Eltern und Bezugspersonen sehr wohl noch beeinflussen können, mit wem ihre Kleinkinder und Volksschulkinder die Freizeit verbringen, da sie diese zu den Treffen begleiten müssen, ist das in der Pubertät nur mehr bedingt möglich. Jugendliche können sich viel selbstständiger mit ihren Freundinnen und Freunden treffen. Bei einer guten Gesprächsbasis mit dem eigenen Kind ist es dann zwar möglich, über die Freundeswahl zu sprechen, aber Einfluss darauf zu nehmen ist eher unmöglich.

Heimliche Freunde

Je mehr Eltern und Bezugspersonen gegen die Freunde sind, desto faszinierender werden diese, und desto größer ist der Zusammenhalt gegen die Erwachsenenwelt, die einen – aus der Sicht der Jugendlichen – in dieser Zeit sowieso nur sehr bruchstückhaft verstehen will und kann. Wenn Eltern und Bezugspersonen diese Freundschaft nicht gutheißen, wird diese aus Trotz oft heimlich weiter gelebt.

Es kann dadurch zu einem Gewissenskonflikt kommen. Einerseits möchten die Jugendlichen ein halbwegs gutes Verhältnis zu ihren Eltern und Bezugspersonen haben, andererseits brauchen sie in schweren Zeiten einen vertrauten Menschen außerhalb der Familie, der sie versteht, mit dem sie lachen und weinen, Spaß haben und zusammen durch dick und dünn gehen können. Ein Loyalitätskonflikt entsteht, der viele Jugendlichen dazu bringt, den Kontakt zu verheimlichen und sich hinter dem Rücken der Erwachsenen zu treffen.

Freundschaften verbieten geht nicht

Selbstverständlich gibt es gute und weniger gute Freunde. Jeder Mensch macht im Lauf seines Lebens die Erfahrung, dass die Person, der man vertraut hat, der man seine innersten Wünsche und Geheimnisse anvertraut hat, dies gar nicht wert war. Nicht jeder Mensch kann tatsächlich eine wirklich gute Freundin oder ein wirklich guter Freund sein.

Das ist für den Jugendlichen traurig, aber diese notwendige Erfahrung kann kein Erwachsener seinem Kind abnehmen. Eltern können ihr Kind nur begrenzt vor Enttäuschungen durch Freunde schützen. So werden im Lauf des Lebens immer wieder Freundschaften geschlossen, aber oftmals halten diese nur eine begrenzte Zeit über. Was aber, wenn Eltern und Bezugspersonen befürchten, dass die Freunde dem eigenen Kind schaden könnten?

Entspanntes Verhältnis erzeugen

Selbstverständlich heißt das für Eltern und Bezugspersonen, im Gespräch mit ihren Jugendlichen Stellung zu beziehen. Das bedeutet, dass sie sagen können, wenn ihnen der Umgang ihres Teenagers nicht gefällt. Sie können Argumente bringen, können von ihren Sorgen sprechen. Allerdings ist es wenig bis gar nicht möglich, den Umgang des Jugendlichen zu bestimmen.

Eltern und Jugendliche machen hier erstmals deutlich die Erfahrung, dass nun die hundertprozentige Kontrolle über das Leben des Kindes nicht mehr möglich ist, dafür aber grundsätzlich das Vertrauen in das eigene Kind notwendig ist. Je vorurteilsfreier die Bezugspersonen mit den Freundschaften der Jugendlichen umgehen, desto entspannter ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kind.

Gerade in der Pubertät und für die Entwicklung des Jugendlichen zum Erwachsenen ist die Peergroup ein wesentlicher, vielleicht sogar der wesentlichste Bereich. Freunde relativieren in der Pubertät die Macht der Eltern. So erkennen Jugendliche durch ihre Freunde, dass andere Eltern andere Ansichten haben und Erziehung von Elternhaus zu Elternhaus total unterschiedlich verlaufen kann. Eltern und Bezugspersonen bleiben jedoch weiterhin sehr wichtig für die Jugendlichen. Allerdings werden die Eltern durch die Gleichaltrigen auch ein wenig von ihrem Thron geworfen. Gemeinsam als Freunde lässt sich die Welt der Erwachsenen manchmal leichter aushalten.

Ihre Erfahrungen?

Kennen Sie die Freundinnen und Freunde Ihrer Jugendlichen? Wie halten Sie es mit den Freundschaften Ihres Teenagers? Ist es möglich, sein eigenes Kind vor bestimmten Freunden zu schützen? Ist es überhaupt noch möglich, den Umgang zu verbieten? Posten Sie Ihre Erfahrungen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 24.3.2017)

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