Digitalradio: Kronehit-Manager warnt vor Einbruch der Radio-Reichweiten

    23. März 2017, 08:53
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    Zehn Prozentpunkte Rückgang in Region Norwegens nach Einstellung großer UKW-Sender

    Wien – Der Programmdirektor von Österreichs einzigem bundesweiten Privatradio warnt vor einem harschen Umstieg von UKW auf den Digitalradiostandard DAB+ wie in Norwegen. Dort müssen die großen, überregionalen Stationen ihre UKW-Frequenzen seit Jahreswechsel abdrehen und ganz auf DAB umsteigen. Kronehit-Programmdirektor Rüdiger Landgraf zitiert in einem Blogeintrag nun eine erste Studie zum Umstieg in Norwegen, wo in der Region Nordland die Radio-Reichweiten insgesamt einknickten.

    In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Karat im Auftrag der öffentlich-rechtlichen NRK und großer Privatsender sei die Radionutzung in der Region Nordland insgesamt von zuletzt 74 Prozent im Februar 2017 auf 64 Prozent gesunken. Ein Rückgang um 13,5 Prozent beziehungsweise 10 Prozentpunkte. Landgraf verlinkt auf diesen Bericht über diese ersten Werte; eine erste Anfrage über weitere Daten beim TNS-Verantwortlichen via Twitter für Medienstudien blieb zunächst unbeantwortet.

    Die gute Nachricht für Private

    Für die Privatradios könnte es "sogar eine gute Nachricht sein", wenn sich dieser Trend in ganz Norwegen bestätige, schreibt Landgraf: Für DAB+ müssten die Sender keine hohen Lizenzgebühren bezahlen wie in Norwegen etwa für UKW. Den Privatsender P4 kosteten sie etwa eine Million Euro pro Jahr. Die Einsparungen am Ende der UKW-Übertragung seien "vermutlich noch etwas höher". So könnte ein Rückgang der Hörerzahlen – und damit auch bei den Werbeeinnahmen – "unter dem Strich noch immer für ein Plus sorgen".

    Zudem könnten "selbst hart gesottene DAB+Verweigerer" sich doch noch ein Digitalradio zulegen. Landgraf zitiert eine Umfrage von Response Analyze, wonach 55 Prozent der Befragten in Norwegen die UKW-Abschaltung der großen Stationen für falsch halten. 37 Prozent der Haushalte hätten noch kein DAB-Radio.

    DAB+-Sendeplattformen in Österreich ausgeschrieben

    In Österreich zeichnet sich nach bisherigem Stand kein so harscher Umstieg auf DAB+ wie etwa in Norwegen ab. Bisher gibt es keinen Abschalttermin für UKW. Die Medienbehörde KommAustria hat (bis Juni) die technischen Plattformen für bundesweite und regionale DAB+-Plattformen ausgeschrieben. In Wien läuft DAB+ seit 2015 im Probebetrieb – ohne ORF und ohne Kronehit.

    Der ORF will Digitalradio für einen zusätzlichen Radiokanal – Arbeitstitel: Ö3X – für eine jüngere Zielgruppe und zur Abwehr von Kronehit, das im jüngeren Publikum Ö3 mit einigem Erfolg Konkurrenz macht. Das ORF-Gesetz sieht bisher keinen weiteren ORF-Radiosender vor.

    Kommende Woche veranstalten Digitalradio-Verein und Verband der Privatsender einen gemeinsamen Info-Tag für Sender mit potenziellen Multiplex-Betreibern. Kronehit-Chef Ernst Swoboda, zugleich Präsident des Privatsenderverbandes VÖP, äußerte sich in einer Aussendung zu dem Studientag ungewohnt moderat zu DAB+. (fid, 23.3.2017)

    • "Selbst hart gesottene DAB+Verweigerer" könnten sich doch noch so ein Digitalradio zulegen, meint Kronehit-Programmdirektor Rüdiger Landgraf.
      foto: apa / georg hochmuth

      "Selbst hart gesottene DAB+Verweigerer" könnten sich doch noch so ein Digitalradio zulegen, meint Kronehit-Programmdirektor Rüdiger Landgraf.

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